90-Jährige verliert ihr Zuhause: Warum der Volkswohlbund fünf Häuser in Dortmund abreißen lässt

Nina Pohl
Nina Pohl
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Ein altes Gebäude mit Schutt aus Holzplanken und Steinen auf dem Boden, mit einer Wand im Hintergrund, die den Abriss vermuten lässt.Nina Pohl

90-Jährige verliert ihr Zuhause: Warum der Volkswohlbund fünf Häuser in Dortmund abreißen lässt

90-Jährige in Dortmund droht Räumung: Versicherer Volkswohlbund lässt ihr Zuhause abreißen

Eine 90-jährige Frau in Dortmund steht vor der Räumung, weil ihr Vermieter, der Versicherer Volkswohlbund, ihr Wohnhaus abreißen lassen will. Lieselotte Hoeber muss ihre Wohnung bis zum 30. April verlassen – gemeinsam mit 35 weiteren Haushalten in fünf Gebäuden. Die Mieter:innen argumentieren, ihnen blieben keine rechtlichen Mittel, um gegen die Entscheidung vorzugehen.

Der Volkswohlbund hatte allen 36 Haushalten identische Kündigungen zugestellt und begründet dies damit, dass die Gebäude wirtschaftlich nicht mehr tragbar seien. Der Deutsche Mieterbund bezeichnet diese Begründung als "völligen Unsinn" und weist darauf hin, dass Sanierungskosten kaum höher ausfallen könnten als ein Neubau.

Nur wenige Meter entfernt modernisiert derselbe Vermieter andere Wohnblöcke – ein Beweis, dass Aufwertungen durchaus möglich wären. Doch keines der fünf nun zum Abriss vorgesehenen Gebäude wurde in den letzten fünf Jahren instand gesetzt. Einige Mieter:innen sind bereits in renovierte Wohnungen umgezogen; es gibt Gerüchte über finanzielle Anreize des Volkswohlbunds, um ihren Auszug zu erleichtern.

Hoeber, die seit Jahren in ihrer Wohnung lebt, hat aufgegeben, sich gegen die Räumung zu wehren. Sie plant, in eines der modernisierten Gebäude umzuziehen – doch der Umzug in ihrem Alter bringt offenkundige Herausforderungen mit sich. Unterdessen will der Vermieter auf den abgerissenen Grundstücken Neubauwohnungen errichten.

Sollte keine rechtliche Intervention erfolgen, wird der Abriss wie geplant voranschreiten. Den Betroffenen bleiben kaum Alternativen. Der Volkswohlbund hält an seiner Position fest, während Mieter:innen wie Hoeber sich auf einen unerwünschten Neuanfang vorbereiten. Der Fall zeigt, wie begrenzt der Schutz für Mieter:innen bei großflächigen Sanierungsvorhaben ist.