Amos Oz' Zwischen Freunden beleuchtet Kibbuz-Träume und ihre Grenzen in Bergisch Gladbach
Christoph DöhnAmos Oz' Zwischen Freunden beleuchtet Kibbuz-Träume und ihre Grenzen in Bergisch Gladbach
Ein literarischer Abend in Bergisch Gladbach erkundet Aufstieg und Niedergang der israelischen Kibbuz-Bewegung
Am 13. Mai wird der Schauspieler Heinz Haun im Großen Sitzungssaal des Rathauses aus Amos Oz’ Zwischen Freunden lesen – einer Sammlung von Geschichten, die in den 1950er-Jahren spielen. Die Veranstaltung, organisiert vom Katholischen Bildungswerk und dem Verein Ganey Tikva, wirft einen Blick auf eine prägende Epoche der israelischen Geschichte.
Die Kibbuz-Bewegung entstand im Heiligen Land lange vor der Gründung Israels im Jahr 1948. Diese Gemeinschaften strebten eine ideale Gesellschaft an: ohne Privateigentum, ohne Geld, in absoluter Gleichheit. Die Bewohner teilten alles – Wohnraum, Mahlzeiten, sogar die Kindererziehung – und trafen Entscheidungen gemeinsam. In Zwischen Freunden lotet Amos Oz die Spannungen dieses Experiments in acht miteinander verwobenen Erzählungen aus.
Eine der Geschichten, Esperanto, handelt von Martin, einem Schuhmacher, der besessen davon ist, eine Gruppe zur Förderung der Welthilfssprache zu gründen. Sein Traum spiegelt das Kibbuz-Ideal wider: eine Welt ohne Grenzen und Trennendes. Doch wie Oz’ Buch zeigt, scheiterte das System oft an der menschlichen Natur. Viele sträubten sich, ihre persönliche Freiheit dauerhaft aufzugeben, und der kollektive Traum zerfiel allmählich.
Die Lesung findet am 13. Mai statt, obwohl der Veranstaltungsort ursprünglich für eine andere Veranstaltung gebucht war. Bereits am 1. Mai hatte im Großen Sitzungssaal des Rathauses ein Treffen stattgefunden, doch die Oz-Lesung folgt zwei Wochen später. Karten sind weiterhin über die Veranstalter erhältlich.
Der Abend bietet Einblicke in ein prägendes Kapitel der israelischen Geschichte. Oz’ Erzählungen fangen sowohl die Hoffnung als auch die Widersprüche des Kibbuz-Experiments ein – die Vision einer radikalen Gesellschaft, die an den Realitäten des menschlichen Verhaltens scheiterte.






