Ausbildungskrise am Niederrhein: Immer weniger Jugendliche starten eine Lehre
Christoph DöhnAusbildungskrise am Niederrhein: Immer weniger Jugendliche starten eine Lehre
Im Mittleren Niederrhein beginnen immer weniger junge Menschen eine Ausbildung
In der Region Mittlerer Niederrhein starten in diesem Jahr weniger junge Menschen eine Berufsausbildung. Bis Ende Oktober ging die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zu 2023 um 6,48 Prozent zurück. Trotz eines größeren Angebots als je zuvor haben Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.
Laut der IHK Mittlerer Niederrhein wurden bis Ende Oktober 3.538 neue Ausbildungsverträge registriert – ein Rückgang von 6,48 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark war der Einbruch im Kreis Viersen mit 11,94 Prozent weniger Verträgen (nur noch 612). In Krefeld lag der Rückgang bei moderaten 0,52 Prozent (964 neue Verträge).
Beliebte Ausbildungsberufe waren unter anderem Kaufleute für Büromanagement, Chemikanten und Verkäufer im Einzelhandel. Auch Ausbildungen im Groß- und Außenhandel fanden viele Interessenten. Dennoch kämpfen Betriebe trotz der Nachfrage mit einem Mangel an Bewerbern.
Hasan Klauser, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld, spricht von einem bewerberfreundlichen Markt: Es gebe mehr Ausbildungsplätze als junge Menschen, die sie besetzen könnten. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, warnt vor weiteren Engpässen. Durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) in Nordrhein-Westfalen werde es 2026 keine Abiturienten geben, die auf den Arbeitsmarkt strömen.
Die IHK, die Kreishandwerkerschaft und die Bundesagentur für Arbeit werben nun verstärkt für die duale Ausbildung. Unternehmen sehen die betriebliche Ausbildung weiterhin als besten Weg, um Fachkräfte aufzubauen.
Der Rückgang bei den Ausbildungsverträgen verdeutlicht die wachsende Kluft zwischen offenen Stellen und interessierten Bewerbern. Da 2026 weniger Abiturienten erwartet werden, könnte sich die Lage für Unternehmen weiter verschärfen. Die Verantwortlichen setzen darauf, dass mehr junge Menschen die berufliche Ausbildung als Karriereweg entdecken.






