24 December 2025, 08:32

AWO: "Nicht auf dem Buckel der Ärmsten"

Ein Blatt Papier mit einer Schrift darauf.

AWO: "Nicht auf dem Buckel der Ärmsten"

Marvin Deversi, Vorstand der Arbeiterwohlfahrt (AWO), hat Bundeskanzler Friedrich Merz wegen jüngster rassistischer Äußerungen gegen Migrant:innen und Geflüchtete scharf kritisiert. Gleichzeitig fordert Deversi einen deutlichen Ausbau des deutschen Sozialstaats, um den wachsenden sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.

Deversi verurteilte Merz’ Aussagen als provokant und diskriminierend. Er warnte, dass eine solche Rhetorik rechtsextreme Aktivitäten und hassmotivierte Gewalt gegen Migrant:innengemeinschaften schüre – beides Phänomene, deren Zunahme die AWO in den letzten Monaten verzeichnet habe.

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Statt die Unterstützung für die Schwächsten zu kürzen, schlug Deversi vor, große Vermögen und Erbschaften stärker zu besteuern, um die öffentlichen Finanzen zu stabilisieren. Er wies Vorwürfe einer „Ausgabenexplosion“ im Sozialbereich zurück und argumentierte, dass ein gut finanziertes Sozialsystem die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärke. Die AWO selbst stehe unter zunehmendem Druck: Eine alternde Bevölkerung treibe die Nachfrage nach Pflege in die Höhe, während Personalmangel und knappe Budgets die Dienstleistungen belasteten. Deversi verwies auf einen massiven Investitionsstau in der sozialen Infrastruktur, den er mit der Vernachlässigung in den Bereichen Verkehr und Wohnungsbau verglich. Um gegenzusteuern, prüfe die Organisation den Einsatz von KI, um Effizienz zu steigern und Hilfsangebote individueller zu gestalten – wobei ethische Bedenken und Datensicherheit Priorität behielten.

Ebenso lehnte Deversi Regierungspläne ab, Kürzungen und Sanktionen beim Bürgergeld (Arbeitslosengeld) durchzusetzen. Unter Verweis auf seine eigene Biografie – er wuchs in Bochum auf – betonte er, dass ihm der Sozialstaat sozialen Aufstieg ermöglicht habe. Jetzt, so Deversi, brauche es Investitionen statt Sparmaßnahmen, um den sozialen Zusammenhalt zu wahren und sich neuen Risiken anzupassen – etwa den Folgen des Klimawandels für benachteiligte Gruppen.

Die AWO konzentriert sich weiterhin auf die Modernisierung von Pflegeeinrichtungen, die Schließung von Personalengpässen und die Entwicklung klimaresilienter Lösungen. Die Organisation lehnt Leistungskürzungen ab und setzt sich stattdessen für höhere Vermögenssteuern ein, um essenzielle Dienstleistungen zu finanzieren. Deversis Position spiegelt breitere Sorgen wider: über soziale Ungleichheit, demografische Verschiebungen und den wachsenden Einfluss rechtsextremer Narrative in der öffentlichen Debatte.