Bachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik, mutige Themen und ein überraschender Bühnenauftritt
Christoph DöhnBachmann-Preis 2024: Scharfe Kritik, mutige Themen und ein überraschender Bühnenauftritt
Die Verleihung des Bachmann-Preises fand unter glühender Sommersonne statt, begleitet von einer siebenköpfigen Jury aus Frauen, die über das Geschehen wachte. Die diesjährigen Auszeichnungen hoben mutige Themen und scharfe Kritik innerhalb der zeitgenössischen Literatur hervor. Preisträger:innen und Teilnehmer:innen lenkten den Blick auf wirtschaftliche Not, sprachliche Kreativität und persönliche Widerstandsfähigkeit.
Den Auftakt bildete Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, das Gott auf der Anklagebank zeigte. Doch bald richteten sich die Lesungen auf drängende Fragen. Slata Roschal geißelte die literarische Establishment für seine kargen Fördergelder und mageren Einnahmen – und verblüffte das Publikum anschließend, indem sie unmittelbar nach ihrer Lesung die Bühne verließ und jede Auseinandersetzung mit der Jury verweigerte.
Auch die Jury selbst thematisierte die Rolle des Geldes in der Literatur und wies darauf hin, dass Hierarchien oft wirtschaftliche Realitäten widerspiegeln. Das wiederkehrende Motiv der „Flecken“ in mehreren Texten unterstrich zudem die prekären Lebensumstände vieler Autor:innen.
Kinga Tóth erhielt den KELAG-Preis für ihren sprachlichen Witz und polyphonen Stil – bemerkenswert, da sie Deutsch erst in der Schule gelernt hatte. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für seinen bewegenden Text Vater ohne Sohn ausgezeichnet. Schaettes Werk hingegen setzte sich mit lebenslanger Gewalt und Bewältigungsstrategien von Menschen mit Adipositas auseinander. Ihr Text Was wir tragen brachte ihr sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis ein.
Die Veranstaltung vereinte künstlerische Höchstleistungen mit schonungsloser Branchenkritik. Autor:innen wie Schaette und Tóth wurden für ihre kraftvollen Erzählungen und stilistischen Innovationen gewürdigt. Die Diskussionen und Aktionen von Teilnehmer:innen wie Roschal hinterließen derweil bleibende Spuren in der Literaturszene.
