Bergisch Gladbach nutzt "Bau-Turbo" für umstrittenes Wohnprojekt über Parkplätzen

Nina Pohl
Nina Pohl
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Ein detaillierter Stadtplanentwurf mit zahlreichen Gebäuden, mit einem prominenten zentralen Gebäude und begleitendem beschreibendem Text.Nina Pohl

Bergisch Gladbach nutzt "Bau-Turbo" für umstrittenes Wohnprojekt über Parkplätzen

Großes Wohnprojekt in Bergisch Gladbach soll mit "Bau-Turbo" Planungsregeln umgehen

Ein großes Wohnbauvorhaben in Bergisch Gladbach könnte dank des neuen "Bau-Turbo"-Beschleunigungsverfahrens die üblichen Planungsvorschriften umgehen. Die geplante Bebauung über bestehenden Parkplätzen nahe dem Gewerbegebiet Strundepark würde unter normalen Umständen wegen ihrer Größe und der Wohnnutzung in einem Industriegebiet blockiert werden. Am 5. März wollen Stadtvertreter die Pläne beraten; die endgültige Entscheidung liegt beim Stadtplanungsausschuss.

Das Projekt umfasst zwei Baukörper mit Längen von 100 und 50 Metern sowie einer Höhe von 26 Metern – damit wäre es eines der größten in der Umgebung. Die Gebäude sollen vom Kreisel am Ende der Hauptstraße aus entlang der Körtener Straße verlaufen und fast bis zum zweiten Zugang des Gebiets Strundepark/Lochermühle reichen. Lediglich eine 220 Jahre alte Blutbuche und ein Umspannwerk würden die Bebauung unterbrechen.

Nach herkömmlichen Regeln hätte das Vorhaben wegen seines Umfangs und Standorts keine Chance. Doch das im Oktober 2025 eingeführte "Bau-Turbo"-Gesetz ermöglicht Ausnahmen, um den Wohnungsbau zu beschleunigen. Städte wie Köln, Frankfurt und Hamburg haben das Verfahren bereits genutzt, um alte Industrieflächen in tausende neue Wohnungen umzuwandeln. Allein das Projekt Römerhof in Frankfurt entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Busdepots und schaffte 1.500 Wohnungen, während Düsseldorf im Stadtteil Heerdt ehemaliges Gewerbeland für Wohnraum umwidmete.

Die Verwaltung in Bergisch Gladbach hat für die Anwendung des "Bau-Turbos" Auflagen festgelegt und Gewerbegebiete wie Lochermühle ausgenommen. Zudem könnte die Stadt durch einen städtebaulichen Vertrag Einfluss nehmen – etwa durch die Vorgabe, mindestens 30 Prozent Sozialwohnungen zu schaffen. Die Genehmigung eines 26 Meter hohen Gebäudes könnte jedoch einen Präzedenzfall schaffen und spätere Ablehnungen ähnlicher Projekte erschweren.

Das "Bau-Turbo"-Verfahren verkürzt die Genehmigungsdauer von Jahren auf etwa 18 Monate. Während einige Städte wie Dresden und Stuttgart noch an Richtlinien arbeiten, zeigen andere bereits Erfolge: Hamburg etwa hat 13 Projekte auf den Weg gebracht, die rund 1.200 Wohnungen schaffen sollen.

Die Sitzung am 5. März wird entscheiden, ob das Vorhaben im Rahmen des "Bau-Turbos" vorankommt. Bei einer Zustimmung wäre dies einer der ersten Fälle in Bergisch Gladbach, in dem das Beschleunigungsgesetz angewendet wird. Das Ergebnis könnte künftige Bauprojekte in der Region prägen – insbesondere in puncto Gebäudehöhen und Wohnungsdichte.

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