Bertelsmann bleibt Europas Mediengigant – doch die Streaming-Konkurrenz drängt

Christoph Döhn
Christoph Döhn
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Eine alte deutsche Zeitungsanzeige für "Berliner Leben" mit einer belebten Stadtansicht, einer Gruppe von Menschen, hohen Gebäuden und einer Brücke im Hintergrund, wobei der Text "Berliner Leben" in fetter, schwarzer Schrift hervorgehoben ist.Christoph Döhn

Bertelsmann bleibt Europas Mediengigant – doch die Streaming-Konkurrenz drängt

Bertelsmann bleibt Europas größter Medienkonzern, auch wenn die globale Rangliste auf Platz 16 zurückgefallen ist. Die Familie Mohn hält das Unternehmen weiterhin vollständig in ihrem Besitz – bis 2026 gab es keine Änderungen an der Eigentümerstruktur. Gleichzeitig steht ein Führungswechsel bevor, mit dem der Konzern eine neue Ära unter familiärer Kontrolle einläutet.

Unter der Führung von Vorstandsvorsitzendem Thomas Rabe baute Bertelsmann seine Vorherrschaft im Verlagsgeschäft aus und festigte mit Penguin Random House die Position als weltweit größter Belletristik-Verlag. In seine Amtszeit fiel auch die Zerschlagung von Gruner + Jahr, einst die mächtige Zeitschriften-Sparte des Konzerns, von der heute nur noch das Magazin Stern und eine Minderheitsbeteiligung an Der Spiegel übrig sind. Rabes Strategie umfasste zudem juristische Auseinandersetzungen: Bertelsmann verklagte von Republikanern geführte US-Bundesstaaten wegen Buchverboten – eine Haltung, die den Konzern von Unternehmen abhob, die sich um die Gunst des damaligen Präsidenten Trump bemühten.

Die RTL Group, Bertelsmanns Fernsehsparte, hat an Bedeutung gewonnen, doch der hauseigene Streamingdienst RTL hinkt weiterhin hinter Riesen wie Netflix und Amazon her. Zusammen mit Sky Deutschland – dessen Übernahme noch aussteht – will RTL in Deutschland rund 11,5 Millionen zahlende Streaming-Abonnenten erreichen und damit fast gleichziehen mit den US-Plattformen. Allerdings setzt RTL stark auf lizenzierte Formate wie Gute Zeiten, Schlechte Zeiten oder Deutschland sucht den Superstar, was den Konzern veranlasste, den britischen Produzenten Fremantle zu übernehmen, um den Eigenproduktionsanteil zu stärken.

Im Sportbereich verlor RTL wichtige Fußballrechte, nachdem DAZN dem Konzern die Übertragungsrechte für die Europa League und die Conference League weggeschnappt hatte – ein Zeichen für den wachsenden Wettbewerb durch US-Medienunternehmen bei den UEFA-Auktionen. Trotz dieser Rückschläge bleibt Bertelsmanns Größe in Europa unübertroffen; weltweit rangieren nur drei asiatische und zwölf US-Unternehmen vor dem Konzern.

An der Spitze steht bald ein Wechsel an: Thomas Coesfeld, ein Nachkomme der Familie Mohn, wird 2027 die Geschäftsführung übernehmen und damit nach Rabes Ausscheiden Ende 2026 die direkte Familienkontrolle wiederherstellen.

Bertelsmanns Zukunft hängt maßgeblich vom Wachstum im Fernseh- und Streamingbereich ab, während traditionelle Verlags- und Zeitschriften-Sparten schrumpfen. Mit RTL und Sky Deutschland, die gemeinsam auf 11,5 Millionen Abonnenten zusteuern, will der Konzern enger mit Netflix und Amazon konkurrieren. Ob Bertelsmann unter der neuen Familienführung ab 2027 seine einstige Vorherrschaft zurückerobern oder sich weiter an die sich wandelnde Medienlandschaft anpassen kann, wird die kommenden Jahre zeigen.