Böhmermanns Berliner Ausstellung polarisiert mit Satire und Provokation bis Oktober
Kristiane DippelBöhmermanns Berliner Ausstellung polarisiert mit Satire und Provokation bis Oktober
Umstrittene neue Ausstellung von Jan Böhmermann und Gruppe Royale in Berlin eröffnet
Eine provokante neue Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann und des Kunstkollektivs Gruppe Royale hat in Berlin ihre Pforten geöffnet. Unter dem Titel "Die Möglichkeit der Irrationalität" zieht sie im Haus der Kulturen der Welt lange Schlangen an. Die Schau läuft noch bis zum 19. Oktober und konfrontiert Besucherinnen und Besucher von der ersten Minute an mit Themen wie Freiheit, Überwachung und politischer Absurdität.
Schon beim Betreten müssen die Gäste ihre Handys abgeben – eine Regel, die die ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Ausstellung erzwingt. Drinnen mischen sich Provokation und schwarzer Humor. Eine Maschine zerfetzt alle 28 Minuten ein Stofftier, es sei denn, die Besucher zahlen, um es zu fotografieren. Daneben richtet sich ein Fernrohr auf einen Spiegel, der in Richtung des benachbarten Kanzleramts ausgerichtet ist – eine Einladung, die Mächtigen zu bespitzeln. Souvenirs aus Böhmermanns Fernsehkarriere thronen auf Sockeln, während eine aufblasbare Freiheitsstatue im Wasserbecken des Gebäudes treibt, ihr schlapper Halt eine Metapher für schwindende Ideale.
Im Außenbereich des Parks steht eine schlichte Gedenktafel für eine ermordete Sexarbeiterin – ein stiller Kontrast zum spektakulären Innenraum. Drinnen teilen sich KI-generierte Aktbilder des Politikers Friedrich Merz den Raum mit einem Nachbau eines Einbürgerungstests, der Fragen zu Identität und Zugehörigkeit aufwirft. Ursprünglich war im Rahmenprogramm ein Auftritt des Rappers Chefket geplant, doch dieser wurde abgesagt, nachdem der Journalist Wolfram Weimer ihm Antisemitismus vorgeworfen hatte. Die übrigen Künstler wie Domiziana, Mine, Ebow und Wa22ermann treten wie geplant auf.
Die zentrale Botschaft der Ausstellung – "Die Freiheit geht zur Neige" – hallt durch Installationen, die Kunst, Aktivismus und persönliche Geschichte verschwimmen lassen. Viele Exponate stammen aus Böhmermanns eigenem Schaffen, andere sind Leihgaben oder Kooperationen mit weiteren Künstlerinnen und Künstlern. Die genaue Trennlinie bleibt unklar und verstärkt so die bewusste Mehrdeutigkeit der Schau.
Mit einer Mischung aus Satire, Überwachungsthemen und schonungsloser Gesellschaftskritik fordert die Ausstellung die Besucher heraus. Indem sie Handys verbietet und Räume mit beunruhigenden Kontrasten füllt, zwingt sie zum Hinsehen – zum Schwinden der Freiheiten. "Die Möglichkeit der Irrationalität" bleibt bis Mitte Oktober täglich geöffnet und hinterlässt ihre Spuren in der Berliner Kulturlandschaft.






