Bonner Kult-Restaurant Sassella kehrt zurück – mit ihm die legendäre "Pizza-Connection"
Horst-Dieter GertzBonner Kult-Restaurant Sassella kehrt zurück – mit ihm die legendäre "Pizza-Connection"
Historisches Bonner Restaurant – einst das Herz der politischen Deals in Deutschland – eröffnet nach monatelanger Ungewissheit wieder
Das Ristorante Sassella, berühmt für seine Rolle als Treffpunkt der "Pizza-Connection" – einer informellen, parteiübergreifenden Runde –, stand nach dem Regierungsumzug nach Berlin und den Folgen der Pandemie vor dem Aus. Nun hat das Traditionslokal unter neuer Führung wieder seine Türen geöffnet – und mit ihm die politische Tradition, die eng mit ihm verbunden ist.
In den Zeiten der Bonner Republik entwickelte sich das Sassella zum zentralen Treffpunkt von Abgeordneten der Unionsparteien und der Grünen. Die inoffizielle Runde, scherzhaft "Pizza-Connection" genannt, entstand in den 1990er-Jahren als Plattform für den Austausch jenseits der Parteigrenzen. Trotz des Namens stand Pizza übrigens nie auf der Karte – der Begriff soll auf eine Bemerkung des damaligen CSU-Generalsekretärs Bernd Protzner zurückgehen.
Doch mit dem Umzug der Regierung nach Berlin 1999 begann der Niedergang des Restaurants. Die Coronapandemie verschärfte die Krise, sodass die Besitzer Mitte 2023 ihren Rückzug ankündigten. Regionale Medien schrieben bereits Nachrufe auf das Haus. Doch nach fünfmonatigen Renovierungsarbeiten hat nun ein Nachkomme der Gründerfamilie das Sassella wiedereröffnet.
Auch die "Pizza-Connection" selbst hat überdauert: Jede neue Generation von Abgeordneten hat die Tradition wiederbelebt. Heute organisiert die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Müller die Treffen, die unter strikter Vertraulichkeit stattfinden. Zwar ändert sich die Speisekarte häufig, doch Nudelgerichte bleiben ein fester Bestandteil. Obwohl Jahrzehnte des Dialogs nie zu einer schwarz-grünen Koalition auf Bundesebene führten, werden die Gespräche auch in der aktuellen Legislaturperiode fortgesetzt.
Die Wiedereröffnung des Sassella steht damit für das Überleben eines lokalen Wahrzeichens und eines politischen Erbes. Die "Pizza-Connection" bleibt aktiv und bietet weiterhin einen seltenen Raum für vertrauliche Gespräche zwischen verfeindeten Lagern. Mit dem Restaurant hat die Tradition des parteiübergreifenden Austauschs wieder eine Heimat gefunden.






