Christoph Dichand übernimmt die volle Kontrolle über die Kronen Zeitung
Christoph DöhnChristoph Dichand übernimmt die volle Kontrolle über die Kronen Zeitung
Christoph Dichand hat die Zustimmung erhalten, die volle Kontrolle über Österreichs größte Zeitung, die Kronen Zeitung, zu übernehmen. Der Schritt folgt auf Jahrzehnte der Familienbeteiligung an dem Blatt, das 1959 von seinem Vater, Hans Dichand, gegründet wurde. Durch die Transaktion endet die langjährige Beteiligung der deutschen Funke-Mediengruppe an der Zeitung.
Die Übernahme markiert auch eine Veränderung in der Eigentumsstruktur der Zeitung. Jahrelang teilten sich die Familie Dichand und deutsche Investoren die Kontrolle – eine Partnerschaft, die in den späten 1950er-Jahren mit der finanziellen Unterstützung durch den deutschen Unternehmer Kurt Falk begann. Nun werden Christoph Dichands Geschwister – Michael und Johanna – als Minderheitsgesellschafter an seiner Seite bleiben.
Die Kronen Zeitung blickt auf eine Geschichte zurück, die 1959 begann, als Hans Dichand sie mit der Unterstützung von Kurt Falk auf den Weg brachte. Falk hielt bis 1987 einen 50-Prozent-Anteil, bis die Familie Dichand die volle Eigentümerschaft zurückerlangte. Nach dem Tod von Hans Dichand im Jahr 2010 erbte sein Sohn Christoph nicht nur dessen Anteile, sondern auch die Spannungen mit den deutschen Miteigentümern.
Die Verbindung der Funke-Mediengruppe zur österreichischen Medienlandschaft reicht jedoch weiter zurück. 1948 gründete Jakob Funke, der Sohn eines Krupp-Schlossers, in Bochum die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Im Laufe der Zeit entwickelte sich die WAZ zur größten Regionalzeitung Deutschlands und erweiterte ihren Einfluss bis nach Österreich. 1988 schloss sich die WAZ-Gruppe mit der Kronen Zeitung und dem Kurier zusammen, um Mediaprint zu gründen – ein Joint Venture, das im Laufe der Jahre immer wieder in die Kritik geriet.
Der Kurier, eine weitere bedeutende österreichische Zeitung, unterhält eigene politische Verbindungen. Die Raiffeisen-Gruppe, die mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) assoziiert wird, hält einen großen Anteil am Blatt. Beobachter vermuten einen möglichen Einfluss der Gruppe auf redaktionelle Entscheidungen.
Auch Österreichs Kulturszene spürte den deutschen Einfluss. Zwei prägende Direktoren des Wiener Burgtheaters – Claus Peymann 1986 und Matthias Hartmann 2009 – kamen beide vom Schauspielhaus Bochum. Ihre Berufungen unterstrichen den langjährigen Austausch zwischen deutschen und österreichischen Institutionen.
Mit der Übernahme durch Christoph Dichand wird die Kronen Zeitung nun vollständig in Familienbesitz übergehen. Der Deal erfüllt einen langgehegten Wunsch von Hans Dichand, der stets die volle Kontrolle über die Zeitung anstrebte. Mediaprint, das Joint Venture mit der WAZ-Gruppe, könnte angesichts der veränderten Eigentumsverhältnisse weiter unter die Lupe genommen werden.
Die Dichand-Geschwister – Michael, ein Biobauer, und Johanna, eine Kunstsammlerin – werden ihre Anteile behalten. Gleichzeitig beendet der Rückzug der Funke-Gruppe ein Kapitel der Zeitungsgeschichte, das mit Kurt Falks frühem Investment begann.






