Doppelschlag im Buchhandel: Zwei Großhändler melden kurz nacheinander Insolvenz an
Kristiane DippelDoppelschlag im Buchhandel: Zwei Großhändler melden kurz nacheinander Insolvenz an
Zwei große Akteure des deutschen Buchhandels in kurzer Folge kollabiert
Innerhalb weniger Wochen sind zwei bedeutende Unternehmen der deutschen Buchbranche in die Insolvenz gerutscht. Die A. Stein'sche Buchhandlung, ein renommierter Buchhändler mit 80 Beschäftigten, meldete am 17. September Insolvenz an. Nur Wochen später folgte Anfang Oktober die Mediengruppe Stein, der zweitgrößte Fachmedien-Großhändler des Landes, und setzte damit 250 Arbeitsplätze auf das Spiel.
Die Folgen reichen noch weiter: 18 Tochterunternehmen, darunter traditionsreiche Firmen wie Solon, Delbanco, Massmann und Albert Müller, mussten ebenfalls Insolvenzverfahren einleiten. Branchenexperten warnen nun, dass plötzlich rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Gefahr sind – oder zur Übernahme bereitstehen.
Die A. Stein'sche Buchhandlung, ein zentraler Belieferer von Bibliotheken und Buchhandlungen, war das erste Unternehmen, das Insolvenz anmeldete. Die Nachricht traf die Branche unerwartet – auch Jörg Pieper, ehemaliger Geschäftsführer bei Schweitzer Fachinformationen, zeigte sich überrascht. Besonders verwunderlich sei die aggressive Kaufstrategie der Mediengruppe Stein in den vergangenen Jahren gewesen, durch die das Unternehmen rasant durch Übernahmen gewachsen war.
Kurz darauf folgte die Insolvenz der Mediengruppe Stein selbst, eines Großhändlers mit 250 Mitarbeitern. Der Zusammenbruch riss 18 Tochterfirmen mit sich, von denen einige seit Jahrzehnten am Markt waren. Darunter befinden sich etablierte Namen wie Solon, Delbanco, Massmann und Albert Müller, die nun vor einer ungewissen finanziellen Zukunft stehen.
Pieper, heute Leiter Content-Akquise bei Get More Brain, verwies auf die Risiken eines unkontrollierten Wachstums. Die Integration neu erworbener Unternehmen – sei es inhaltlich, technisch oder personell – gestaltete sich schwierig, zumal die Kaufpreise oft hoch waren. Diese Herausforderungen scheinen maßgeblich zum Niedergang der Gruppe beigetragen zu haben.
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Die Insolvenzen hinterlassen eine große Lücke im deutschen Buch- und Medienvertrieb. Mit 100 Millionen Euro Umsatz, die nun auf dem Spiel stehen, könnten Konkurrenten und kleinere Anbieter die Chance nutzen, die entstehenden Freiräume zu besetzen. Gleichzeitig wirft der Kollaps Fragen zur Nachhaltigkeit rasanten Wachstums in einem ohnehin hart umkämpften Markt auf.






