EU-Saatgutverordnung bedroht biologische Vielfalt und kleine Erzeuger
Kristiane DippelEU-Saatgutverordnung bedroht biologische Vielfalt und kleine Erzeuger
Ein geplanter EU-Saatgutverordnung wirft bei kleinen Erzeugern und Befürwortern der biologischen Vielfalt Besorgnis auf. Das neue Gesetz, das derzeit verhandelt wird, könnte strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren für Händler einführen. Viele fürchten, dass seltene Sorten verschwinden könnten, falls die Änderungen umgesetzt werden.
Die Gespräche über die Verordnung begannen im Februar 2026 unter Beteiligung der Europäischen Kommission, des Parlaments und des Rates der Mitgliedstaaten. Während das Europäische Parlament Ausnahmen zum Schutz kleiner Erzeuger fordert, setzt sich der Rat der Agrarminister für einen strengeren Ansatz mit scharfen Kontrollen ein.
In Düsseldorf warnen die Organisatoren des jährlichen Saatgutfestes, dass kleine Betriebe zur Schließung gezwungen werden könnten. Michael Bonke, Koordinator der Veranstaltung, erklärt, viele lokale Erzeuger fürchteten nun um ihre Existenz. Exakte Zahlen, wie viele betroffen sein könnten, gibt es nicht, doch die Sorgen sind weit verbreitet.
Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss arbeiten bereits daran, die biologische Vielfalt zu bewahren, indem sie Saatgut kostenlos verleihen. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss berichtet von einer hohen Nachfrage nach bestimmten Sorten. Unterdessen warnt die Selbstversorger-Gärtnerin Anne Mommertz, dass Hobbygärtner ohne Nischenanbieter bald nur noch auf standardisierte Saatgut von großen Industriekonzernen angewiesen sein könnten.
Das Ergebnis der Verhandlung bleibt ungewiss, während die Gespräche andauern. Sollte die Verordnung verabschiedet werden, könnte sie den europäischen Saatgutmarkt grundlegend verändern – mit eingeschränktem Zugang zu traditionellen Sorten. Kleine Erzeuger und Projekte zur Artenvielfalt stünden vor den größten Herausforderungen durch die neuen Regeln.