Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands teure Kampfjet-Strategie als "strategischen Irrweg"

Christoph Döhn
Christoph Döhn
2 Min.
Ein deutscher Weltkriegspropagandaplakat mit einer Gruppe von Kampfflugzeugen in der Luft, mit Text über ihre Fähigkeiten.Christoph Döhn

Ex-Airbus-Chef Enders zerpflückt Deutschlands teure Kampfjet-Strategie als "strategischen Irrweg"

Der ehemalige Airbus-Chef Thomas Enders hat die aktuelle Strategie Deutschlands im Kampfjet-Bereich als fehlerhaft und kostspielig kritisiert. Die Entscheidung aus dem Jahr 2017, sich im FCAS-Projekt mit Frankreich zusammenzuschließen, bezeichnete er als "strategischen Fehler" und warnte davor, ein rein deutsches Programm zu verfolgen. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der FCAS mit Verzögerungen, Streitigkeiten und steigenden Kosten zu kämpfen hat.

Enders argumentiert, die Zukunft der militärischen Luftfahrt liege in autonomen, KI-gesteuerten Drohnensystemen und nicht in herkömmlichen bemannten Kampfflugzeugen. Seinerseits prognostiziert er, dass pilotengesteuerte Kampfflugzeuge in zwei Jahrzehnten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen werden. Stattdessen plädiert er für die Massenproduktion intelligenter, unbemannter Systeme als logischen nächsten Schritt.

Das FCAS-Projekt, an dem neben Deutschland auch Frankreich und Spanien beteiligt sind, leidet unter hohen Kosten, langsamen Fortschritten und Konflikten zwischen Dassault und Airbus. Bundeskanzler Friedrich Merz räumte kürzlich ein, das Programm habe ein "ernsthaftes Problem", das sogar zu einer Abschaffung führen könnte. Unterdessen zielt die konkurrierende GCAP-Initiative – angeführt von Großbritannien, Italien und Japan – auf eine Markteinführung bis 2035 ab und baut auf der früheren Zusammenarbeit im Eurofighter-Programm auf.

Enders lehnte die Idee ab, Deutschland könnte einen eigenen Kampfjet entwickeln, und nannte dies "industriepolitische Hybris" sowie eine "kolossale Fehlallokation von Ressourcen". Zwar erkannte er Deutschlands technische Fähigkeiten an, betonte jedoch die immense finanzielle Belastung und die Risiken durch Zeitverzögerungen. Gleichzeitig warnte er davor, einfach auf US-amerikanische Plattformen zu setzen, da diese nur veraltete Technologie bieten würden.

Seine Position steht im Kontrast zu der des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der IG Metall und dem aktuellen Airbus-Chef Guillaume Faury. Diese Gruppen bevorzugen stattdessen eine Zusammenarbeit mit Großbritannien oder Schweden. Deutsche Politiker bestehen jedoch bisher auf die Fortführung von FCAS – trotz des Drucks aus der Industrie, umzusteigen.

Enders' Warnungen verdeutlichen die tiefen Gräben in der Debatte um Deutschlands Kampfjet-Strategie. Während das FCAS-Projekt weiter in der Krise steckt, bietet GCAP eine schnellere, wenn auch weniger einflussreiche Alternative. Jede Kursänderung würde jedoch Fragen der Finanzierung, der industriellen Rollenverteilung und des politischen Widerstands klären müssen.