Florentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Christoph DöhnFlorentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Staatsoper Stuttgart
Florentina Holzingers umstrittenes Musiktheater Sancta kehrt im Herbst an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Produktion, eine radikale Neuerzählung von Paul Hindemiths skandalumwittertem Werk Sancta Susanna aus dem Jahr 1921, hat bereits für heftige Diskussionen gesorgt – vor allem wegen ihrer ungeschminkten Darstellung weiblicher Nacktheit und sexueller Selbstbestimmung.
Dirigentin Marit Strindlund, bekannt für ihr Engagement im experimentellen Musiktheater, bezeichnet das Stück als bahnbrechende Form der Bühnenkunst, die traditionelle Grenzen sprengt. Sancta greift Hindemiths ursprünglich als provokant verurteiltes Werk auf und radikalisiert es weiter, indem es weibliche Körper und feministische Perspektiven ins Zentrum rückt. Holzingers Version zeigt Frauen, die sich ihren Platz in der christlichen Geschichte zurückerobern – einen Raum, der ihnen lange verwehrt blieb. Die Entwicklung der Produktion umfasste einen intensiven Probenprozess, bei dem bis zur Premiere immer wieder neue Elemente eingefügt wurden.
Die Uraufführung sorgte für Furore und führte zu 18 medizinischen Einsatzfällen im Opernhaus. Gerade wegen – oder vielleicht auch trotz – dieser schockierenden Wirkung hat das Stück große Aufmerksamkeit erregt. Nun können Zuschauer:innen es erneut am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November erleben, wobei die November-Vorstellungen bereits ausverkauft sind.
Strindlund, die über umfangreiche Erfahrung mit avantgardistischen Aufführungen verfügt, sieht in Sancta mehr als nur eine Oper. Für sie verkörpert das Werk eine neue Art der Bühnenkunst, die gleichermaßen fasziniert und verstört. Bewusst verschiebt die Inszenierung den Fokus vom Inhalt zur Form und zwingt das Publikum, sich mit Fragen zu weiblicher Emanzipation, Religion und künstlerischer Provokation auseinanderzusetzen.
Sancta bleibt ein Diskussionsstoff, der radikalen Feminismus mit operntypischen Traditionen verbindet. Mit den letzten verfügbaren Tickets für Oktober sichert sich die Rückkehr der Produktion ihren Platz als eines der meistdebattierten Kulturevents dieser Saison in Stuttgart. Wie schon bei der Premiere wird das Stück vermutlich auch diesmal bei Publikum und Kritik nachhaltig wirken.






