Fords radikaler Wandel: Köln verliert Tausende Jobs – und die Elektro-Wende stockt

Christoph Döhn
Christoph Döhn
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Eine Straße mit Fahrzeugen und Text auf einem Präsentationsfolie.Christoph Döhn

Fords radikaler Wandel: Köln verliert Tausende Jobs – und die Elektro-Wende stockt

Fords europäisches Geschäft steht vor tiefgreifenden Umbrüchen: Stellenabbau, Werksschließungen und strategische Kurswechsel prägen die Zukunft des Konzerns. Das Kölner Werk, einst ein Produktionszentrum, wird bis 2027 weitere 3.700 Arbeitsplätze verlieren – dann verbleiben nur noch 7.800 Stellen, nach einst 50.000 in den 1980er-Jahren. Gleichzeitig stockt Fords Elektrooffensive in Europa: Schwache Absatzzahlen und milliardenschwere Abschreibungen in den USA zwingen das Unternehmen zum Umdenken.

Die Probleme spitzten sich im November 2024 zu, als Ford im saarländischen Saarlouis die Produktion des letzten Focus einstellte. Ohne direkten Nachfolger führte die Werksschließung zu Entlassungen und nährte Zweifel an Fords langfristigem Engagement in Europa. Das Kölner Werk kämpfte bereits damals mit einer Auslastung von nur 26 Prozent und schrieb rote Zahlen. Die Verkäufe der elektrischen Modelle Explorer und Capri werden bis Ende 2025 voraussichtlich lediglich 65.000 Einheiten erreichen – ein Bruchteil der früheren Produktionszahlen.

Im Zuge eines Führungswechsels übernahm Jim Baumbick am 1. November 2024 die Europa-Sparte. Doch die Herausforderungen verschärften sich im Dezember, als Konzernchef Jim Farley überraschend die Strategie änderte. Auslöser war die Politik von US-Präsident Donald Trump, der Steuervorteile für Elektroautos strich und Verbrennermotoren förderte. Dieser Kurswechsel traf die europäische Tochter besonders hart, da ihre Elektromodelle – als zu teuer und schlecht positioniert kritisiert – kaum Käufer fanden. Ford räumt nun ein, dass die Pkw-Sparte in Europa einem schleichenden Niedergang entgegengeht. Zwar hält das Unternehmen an der Elektrifizierung fest, doch die geplanten günstigeren Stromer sollen nicht in Köln gebaut werden. Stattdessen wird eine Kooperation mit Renault angestrebt, um preiswerte E-Modelle zu entwickeln. Die Gewerkschaften zeigen sich jedoch skeptisch und verweisen auf die Übernahme von Opel durch Peugeot und die spätere Eingliederung in Stellantis. Ihre Sorgen verstärken sich durch Fords jüngste Abschreibung von 19,5 Milliarden Dollar nach dem Aus für die zweite Generation seiner US-Elektroautos – ein Zeichen für tiefe finanzielle Probleme.

Die Marktanteile spiegeln Fords Schwäche wider: Die Pkw-Sparte hält in Europa nur noch knapp über drei Prozent – einst war der Konzern ein Schwergewicht. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, zu spät in das falsche Segment eingestiegen zu sein und überteuerte Produkte angeboten zu haben, die nicht konkurrenzfähig waren.

Fords europäisches Geschäft steht nun am Scheideweg. Das Kölner Werk wird weiter schrumpfen, die Schließung in Saarlouis markiert das Ende einer Ära für Modelle wie den Focus. Während die Elektropläne im Fluss sind und der Marktanteil schmilzt, wird sich in den nächsten Schritten zeigen, ob der Konzern die Wende schafft – oder weiter an Einfluss verliert. Die Zusammenarbeit mit Renault könnte eine Rettungsleine sein, doch bleibt ungewiss, ob sie Arbeitsplätze sichert oder nur tiefere Einschnitte hinauszögert.