Forsa-Gründer Güllner zieht sich zurück – doch seine Warnungen bleiben aktuell

Horst-Dieter Gertz
Horst-Dieter Gertz
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Ein Mann in Mantel und Schal steht an einem Podium mit Mikrofonen, ein Schild mit der Aufschrift "deva-Geschäftsführer sagt, es sei keine gute Idee für die Zukunft", ein Objekt und ein Bildschirm im Hintergrund.Horst-Dieter Gertz

Forsa-Gründer Güllner zieht sich zurück – doch seine Warnungen bleiben aktuell

Manfred Güllner, Gründer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, hat sich nach Jahrzehnten in führender Position aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen. Er bleibt dem Unternehmen jedoch als Berater erhalten und wird sich vor allem auf Datenanalysen und strategische Ausrichtung konzentrieren. Sein Rückzug fällt mit scharfer Kritik an der häufigen falschen Verwendung von Umfragedaten durch Medien und Politiker zusammen.

Güllners Karriere begann damit, dass er sein Hobby – die Meinungsforschung – zum Beruf machte. Unter seiner Führung entwickelte sich Forsa zu einem der wichtigsten Akteure in der deutschen Umfrageforschung. Regelmäßig wurden Studien zu Themen wie Parteipräferenzen, Arbeitsmarktentwicklungen und der Wahrnehmung fairer Löhne durchgeführt. Zu den jüngsten Beispielen zählen Erhebungen für RTL/ntv Anfang 2026, bei denen politische Einstellungen (2.503 Befragte), Arbeitsmarktfragen (3.400 Befragte) und die Einschätzung gerechter Bezahlung (1.004 Befragte) untersucht wurden.

Trotz des Aufstiegs großer Technologiekonzerne mit ihren immensen Datenbeständen betont Güllner, dass die klassische Markt- und Meinungsforschung unverzichtbar bleibe. Sein Argument: Nur durch direkte Befragungen ließen sich die Gründe erfassen, warum Menschen bestimmte Ansichten vertreten oder Entscheidungen treffen. Dieser Ansatz, so Güllner, könne weder durch Algorithmen noch durch passive Datensammlung ersetzt werden.

Seine Bedenken gehen jedoch über methodische Fragen hinaus. Wiederholt hat Güllner vor unseriösen Akteuren in der Branche gewarnt, die unzuverlässige oder manipulierte Daten produzieren. Zudem kritisiert er, wie einige Medien und Politiker Umfrageergebnisse leichtfertig – oder gar gezielt falsch – interpretieren, um sie in vorgegebenen Narrativen unterzubringen. Selbst im Ruhestand wird er eng verbunden bleiben: Täglich erhält er aktuelle Umfragewerte, um die Stimmung in der Bevölkerung zu beobachten.

Seit 2017 gab es bei Forsa weder Skandale noch grundlegende Methodenänderungen. Das Institut arbeitet wie gewohnt weiter, während sich Güllner nun auf die Beratung der Unternehmensführung, seinen viel gelesenen Newsletter und Fachkommentare für Medien konzentriert.

Güllners Rückzug markiert das Ende einer Ära für Forsa, doch sein Einfluss wird durch fortlaufende Analysen und öffentliche Debattenbeiträge weiterwirken. Die Umfragen des Instituts gehen wie geplant weiter – bereits für Anfang 2026 sind neue Projekte angesetzt. Seine Mahnungen zu Datenintegrität und verantwortungsvollem Umgang mit Umfragen verdeutlichen jedoch die größeren Herausforderungen, vor denen die gesamte Branche steht.

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