Frauen dominieren erstmals die Kochausbildung – doch Spitzenjobs bleiben männlich

Kristiane Dippel
Kristiane Dippel
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In einem Restaurant stehen Frauen an einer Essensbestellung auf einer Seite, während auf der anderen Seite Tische und Stühle angeordnet sind, an denen eine Frau und ein Mann an einem der Tische sitzen.Kristiane Dippel

Frauen dominieren erstmals die Kochausbildung – doch Spitzenjobs bleiben männlich

Deutschlands kulinarische Szene erlebt einen allmählichen Wandel in der Geschlechterrepräsentation – doch die Ungleichheiten bleiben bestehen. Im Jahr 2024 stellten Frauen erstmals die Mehrheit der ausgebildeten Köchinnen und Köche in den bundesländern deutschland. Dennoch sind Führungspositionen und Spitzenauszeichnungen nach wie vor stark männlich dominiert: Lediglich 14 Frauen hielten 2023 einen Michelin-Stern – gegenüber 337 Männern.

Die Bemühungen, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, nehmen zu. Neue Plattformen und Initiativen drängen auf Veränderung in einer Branche, die lange von traditionellen Strukturen geprägt war.

In Hamburg begannen 2023 weniger Frauen als Männer eine kulinarische Ausbildung – ein Trend, der bundesweit zu beobachten ist. Doch 2024 markierte einen Wendepunkt: Erstmals waren Frauen in der Mehrheit unter den neu examierten Köchinnen und Köchen in deutschland. Die Realität in Führungspositionen sieht jedoch anders aus: Nur 33 Prozent werden von Frauen besetzt.

Eine der Akteurinnen, die diesen Missstand ändern will, ist Denise Wachter. Die Food-Journalistin gründete Chef:in, eine Plattform, die Deutschlands führende dfb frauen vorstellt. Das Verzeichnis gewinnt an Bedeutung – sogar TV-Produktionsfirmen nutzen es mittlerweile, um Frauen für Kochshows zu entdecken. Das Ziel ist klar: Sichtbarkeit erhöhen und Vernetzungsmöglichkeiten in einer männlich dominierten Branche schaffen.

In der Praxis gestalten Köchinnen wie Zora Klipp die Küchenkultur neu. Als Küchenchefin im Café Weidenkantine und im Restaurant Blattgold spezialisiert sie sich auf pflanzenbasierte Gerichte und bricht bewusst starre Hierarchien in der Küche auf. Gleichzeitig bereichert Clara Hunger, Köchin aus Hamburg, mit ihrem Pop-up-Bar-Projekt Nullkommaeins in St. Pauli die sich wandelnde Gastronomieszene der Stadt.

Viele führende Köchinnen setzen sich zudem für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen ein. Dieser Einsatz kommt zu einer Zeit, in der die Branche wegen extremer Arbeitszeiten und hochdruckbelasteter Umfelder kritisch hinterfragt wird – Faktoren, die Frauen oft davon abhalten, Spitzenpositionen anzustreben oder langfristig in ihnen zu bleiben.

Die deutsche Gastronomie wird langsam inklusiver: Frauen stellen mittlerweile die Mehrheit der ausgebildeten Fachkräfte. Plattformen wie Chef:in helfen, Sichtbarkeitslücken zu schließen, während einzelne Köchinnen veraltete Strukturen herausfordern.

Doch die Zahlen zeigen weiterhin tiefe Ungleichheiten – besonders bei Auszeichnungen und Führungsrollen. Ob sich die Branche nachhaltig verändert, hängt davon ab, ob diese Ansätze flächendeckend Wirksamkeit entfalten können.