Fünf Tote in Stuttgart: Initiative kämpft um Schutz für Obdachlose im Winter

Nina Pohl
Nina Pohl
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Ein altes Foto einer Stadtstraße mit einer Tram, Gebäuden, Fußgängern, Fahrrädern und einem bewölkten Himmel, mit Text oben und unten.Nina Pohl

Fünf Tote in Stuttgart: Initiative kämpft um Schutz für Obdachlose im Winter

Die Stuttgarter Initiative fordert dringende Reformen zum Schutz obdachloser Menschen. Nach mindestens fünf Todesfällen in diesem Winter ruft eine Stuttgarter Initiative zu sofortigen Veränderungen auf, um Obdachlose besser zu schützen. Die Gruppe "Schlaf statt Strafe" hat einen Gedenkmarsch organisiert, um derer zu gedenken, die in der Kälte starben. Ihre Forderungen umfassen besseren Zugang zu Notunterkünften, öffentlichen Toiletten und ein Ende der Politik, die Obdachlosigkeit kriminalisiert.

Seit Januar starben in Stuttgart Thomaz T., Arturas S., Volker W., Marlies S. und Manuel P. Ein weiterer Todesfall wurde im nahegelegenen Lünen-Brambauer gemeldet. Ähnliche Probleme zeigen sich auch in Regionen wie Unna-Massen – ein Zeichen für systemische Versäumnisse im Umgang der Stadt mit Obdachlosigkeit.

Im Mittelpunkt der Forderungen der Initiative stehen konkrete Hilfsmaßnahmen: mehr öffentliche Toiletten, uneingeschränkter Zugang zu Notunterkünften und Wärmezentren, die den ganzen Winter über geöffnet bleiben. Zudem schlagen sie einen speziellen Kältebus vor. Darüber hinaus setzen sie sich für die Entkriminalisierung von Obdachlosigkeit ein – etwa, indem Schwarzfahren als Ordnungswidrigkeit statt als Straftat behandelt wird.

Die Stadt hat bereits erste Schritte unternommen: Neue Notunterkünfte und Dienstleistungen wurden eingerichtet, was auf ein wachsendes Problembewusstsein hindeutet. Kritiker halten diese Maßnahmen jedoch für unzureichend. Marlies S., eine ehemalige Sozialarbeiterin, starb im Februar, nachdem sie aufgrund lokaler Vorschriften ihren Schlafplatz wechseln musste. Die Initiative sieht einen direkten Zusammenhang zwischen ihrem Tod und den Stuttgarter Kontrollpraktiken.

Stefan Cramer, der seit neun Jahren auf Stuttgarter Straßen lebt, übernachtet derzeit in einem Abstellraum. Er ist überzeugt, dass die Stadt mehr tun könnte – etwa durch das Anmieten und Bereitstellen von Wohnraum für Obdachlose. Trotz seiner eigenen schwierigen Situation hofft er, bald eine Wohnung zu finden.

Die Stuttgarter Polizei betont, sie setze auf einen Ausgleich zwischen Ordnungsmaßnahmen und Unterstützung. Prävention und Streetwork gehören zu ihrem Ansatz, doch Aktivisten werfen vor, dass Obdachlose weiterhin unnötig für Überlebensstrategien wie das Schlafen im öffentlichen Raum bestraft würden.

Der Gedenkmarsch macht die menschlichen Kosten der Obdachlosigkeit in Stuttgart deutlich. Angesichts von fünf Toten allein in diesem Jahr pocht die Initiative auf sofortiges Handeln, um die Lebensbedingungen zu verbessern. Ihre Vorschläge zielen darauf ab, Würde und Sicherheit für Menschen ohne Obdach zu gewährleisten – und gleichzeitig langfristige politische Veränderungen voranzutreiben.

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