Grüner Wasserstoff in Düren: 35-Millionen-Projekt kämpft mit mangelnder Nachfrage und hohen Kosten

Horst-Dieter Gertz
Horst-Dieter Gertz
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Ein stylischer, moderner Wasserstoff-Brennstoffzellen-Elektrofahrzeug mit glänzender schwarzer Lackierung, beschriftet mit seinen verschiedenen Teilen, vor einem hellgelben Hintergrund.Horst-Dieter Gertz

Grüner Wasserstoff in Düren: 35-Millionen-Projekt kämpft mit mangelnder Nachfrage und hohen Kosten

In Düren entsteht derzeit eine neue Elektrolyseanlage für 35 Millionen Euro, die im Brainergy Park in Jülich grünen Wasserstoff produzieren soll. Das Vorhaben, das mit 14,7 Millionen Euro Bundesförderung unterstützt wird, ist darauf ausgelegt, jährlich bis zu 1.577 Tonnen Wasserstoff zu erzeugen. Doch trotz dieser Dimensionen steht das Projekt vor Unsicherheiten – sowohl bei der künftigen Nachfrage als auch bei der Wirtschaftlichkeit.

Die 10-Megawatt-Anlage könnte stündlich 180 Kilogramm Wasserstoff herstellen. Allerdings ist die aktuelle Nachfrage gering: Die 20 Wasserstoffbusse in Düren verbrauchen lediglich 72 Tonnen pro Jahr, sodass die Anlage nur im einstelligen Prozentbereich ausgelastet wäre. Diese geringe Auslastung treibt die Kosten in die Höhe – allein die Kapitalkosten belaufen sich auf 69 Euro pro Kilogramm produzierten Wasserstoffs. Werden Strom- und Wartungskosten einberechnet, steigen die Gesamtkosten auf 105 bis 140 Euro pro Kilogramm.

Die finanziellen Risiken erinnern an das Beispiel Aberdeen, wo Wasserstoffbusse wegen unwirtschaftlicher Infrastrukturstillstandzeiten stillgelegt werden mussten. Düren verfügt zwar über stärkere regionale Unterstützung und höhere Investitionen, doch das Grundproblem bleibt: Ohne ausreichende Nachfrage ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Anlage fraglich. Bisher haben sich keine größeren industriellen oder kommerziellen Abnehmer in der Region verpflichtet, ab 2026 nennenswerte Mengen grünen Wasserstoffs abzunehmen.

Aus ökologischer Sicht stoßen die Dürener Wasserstoffbusse – abhängig vom CO₂-Gehalt des Strommixes – jährlich zwischen 43,9 und 86 Tonnen CO₂ aus. Zum Vergleich: Dieselbusse verursachen 79,5 Tonnen, batterieelektrische Alternativen 34,2 Tonnen. Sollte die Nachfrage nicht steigen, droht zudem die Schließung der lokalen Wasserstofftankstelle, was die Busflotte monatelang lahmlegen könnte.

Die jährlichen Kapitalkosten der Elektrolyseanlage belaufen sich auf 4,97 Millionen Euro – ein Indiz für den finanziellen Druck, falls die Nachfrage ausbleibt. Ohne gesicherte Abnehmer könnte das Projekt ein weiteres Beispiel für ungenutzte Wasserstoffinfrastruktur werden. Entscheidend wird sein, ob sich neue Kunden finden, die die Investition rechtfertigen.