Josefine Paul tritt nach Kita-Reform und Solingen-Kritik als Ministerin zurück

Christoph Döhn
Christoph Döhn
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Ein altes Deutschland-Karte mit Westfalen hervorgehoben, gerahmt und mit beschreibendem Text.Christoph Döhn

Josefine Paul tritt nach Kita-Reform und Solingen-Kritik als Ministerin zurück

Josefine Paul, die ehemalige Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen, ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr Rücktritt folgt wachsender Kritik an ihrer Handhabung einer umstrittenen Kita-Reform sowie den Folgen des tödlichen Messerangriffs von Solingen im Jahr 2024.

Der Schritt erfolgt, nachdem Oppositionsabgeordnete und Wohlfahrtsverbände schwere Bedenken gegen ihre Politik und ihren Führungsstil geäußert hatten.

Paul gab ihren Rücktritt am 27. Januar 2026 bekannt; ihre Nachfolge tritt Verena Schäffer an. In ihrer Erklärung nannte Paul die zunehmende politische Polarisierung um ihre Person als Hauptgrund für ihren Rückzug. Zudem stand sie seit Langem wegen ihrer geplanten Kita-Reform in der Kritik, die nach Ansicht von Gegnern über 6.000 Betreuungsplätze in ländlichen Regionen und elterninitiierten Einrichtungen gestrichen hätte.

Die Freie Wohlfahrtspflege hatte sich vehement gegen die Reform ausgesprochen und gewarnt, dass das neue "Kernzeiten"-Modell Kinder bis zu 20 Stunden pro Woche unbeaufsichtigt lassen würde. Zudem kritisierten sie den Gesetzentwurf als bürokratisch überfrachtet, ohne ausreichende Finanzierung für die Träger vorzusehen. Oppositionspolitiker wie Yvonne Gebauer (FDP) und Dennis Maelzer (SPD) verurteilten die Pläne scharf – Gebauer sprach von einem "roten Warnblinklicht", Maelzer bezeichnete sie als "handfeste Ohrfeige" für die Regierungskoalition.

Zusätzlichen Druck übte Pauls Umgang mit dem Messerangriff von Solingen am 23. August 2024 aus, bei dem drei Menschen getötet und mehrere schwer verletzt wurden. Die Tat löste bundesweite Debatten über die Flüchtlingspolitik aus, wobei Oppositionsabgeordnete Paul langsame Kommunikation und mangelnde Transparenz in Regierungsprozessen vorwarfen.

Die Landtagsopposition verwies zudem auf Widersprüche in ihrer Politik, insbesondere zwischen der Kita-Reform und dem kürzlich eingeführten Sprachförderprogramm für Vorschulkinder in ABC-Klassen. Diese Konflikte verstärkten die Forderungen nach ihrem Rücktritt.

Verena Schäffer übernimmt das Ministerium nun in einer Phase großer Herausforderungen. Die neue Ministerin muss die Folgen der Kita-Reform bewältigen, die Nachwirkungen des Solingen-Anschlags aufarbeiten und die politischen Spannungen in der Flüchtlings- und Betreuungspolitik entschärfen. Pauls Rücktritt markiert das Ende einer Amtszeit, die von intensiver Kritik an ihrer Führung und ihren politischen Entscheidungen geprägt war.