Krankenhausgewalt: Können Bodycams die Sicherheit von Gesundheitspersonal verbessern?

Nina Pohl
Nina Pohl
2 Min.
Mehrere Kameras verschiedener Typen mit Text oberhalb und unterhalb davon.Nina Pohl

Krankenhausgewalt: Können Bodycams die Sicherheit von Gesundheitspersonal verbessern?

Gewalt in Krankenhäusern: Können Bodycams das Pflegepersonal schützen?

Teaser: Angriffe auf Krankenhausmitarbeiter nehmen zu. Kliniken in NRW testen Bodycams als Schutzmaßnahme. Was sie bringen – und wo ihre Grenzen liegen.

Artikel: Die Gewalt gegen Krankenhauspersonal in Nordrhein-Westfalen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Zwischen 2017 und 2024 stiegen die Vorfälle um über 34 Prozent. Allein im vergangenen Jahr wurden in der Region 1.705 Fälle registriert – darunter Körperverletzungen, Raubüberfälle und Bedrohungen. Nun ergreifen Kliniken neue Maßnahmen, um ihre Beschäftigten zu schützen, darunter der Einsatz von Bodycams und eine verstärkte Sicherheitpräsenz.

Das Problem hat sich in jüngster Zeit dramatisch verschärft. 2022 stieg die Zahl der gewalttätigen Zwischenfälle um 22 Prozent, 2023 folgte ein weiterer Anstieg um fast 9 Prozent. Viele Krankenhäuser machen längere Wartezeiten und einen generellen Respektverlust gegenüber medizinischem Personal als Hauptgründe für die zunehmende Aggression aus.

Das Dortmunder Krankenhaus hat bereits Schritte unternommen, um die Sicherheit zu verbessern. Ein Nachtwächter patrouilliert nun durch die Notaufnahme, und Mitarbeiter tragen aus Angst vor Bedrohungen keine Namensschilder mehr. Bis 2026 plant die Klinik die Einführung von Bodycams für das Personal – in der Hoffnung, dass diese Angriffe abschrecken und im Notfall als Beweismittel dienen können. Aufnahmen sollen nur in kritischen Situationen aktiviert werden, wobei die Betroffenen vorher informiert werden. Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich des Patientendatenschutzes und des Schutzes persönlicher Daten.

Auch das Elisabeth-Krankenhaus in Essen hat nach einem brutalen Angriff im September 2024, bei dem sechs Mitarbeiter verletzt wurden, die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Doch wie wirksam Bodycams tatsächlich sind, bleibt ungewiss. Einige Studien deuten darauf hin, dass sie Konflikte sogar verschärfen könnten, statt sie zu entschärfen – was Zweifel an ihrem langfristigen Nutzen aufkommen lässt.

Dr. Uli Clemens, Direktor des Dortmunder Krankenhauses, betont die Dringlichkeit von Maßnahmen. Die Klinik sieht in den Bodycams sowohl eine abschreckende als auch eine potenziell deeskalierende Wirkung, räumt aber ein, dass Herausforderungen bestehen.

Angesichts der weiter steigenden Gewalt gegen Pflegekräfte testen Krankenhäuser neue Lösungsansätze. Bodycams, zusätzliche Sicherheitskräfte und strengere Protokolle sollen ein sicheres Arbeitsumfeld für das Personal schaffen. Ob diese Maßnahmen erfolgreich sein werden, hängt davon ab, ob es gelingt, Schutz und Privatsphäre in Einklang zu bringen und unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich der besorgniserregende Trend umkehren lässt.