31 May 2026, 12:16

Lolas 2024: Glanz, Kritik und die großen Debatten des deutschen Films

Die Moral hat sich nicht viel verändert

Lolas 2024: Glanz, Kritik und die großen Debatten des deutschen Films

Die diesjährigen Deutschen Filmpreise, die Lolas, feierten herausragendes Kino, wurden aber auch zur Bühne für scharfe Kritik an Politik und Branchenstandards. Bei der Verleihung ging der Hauptpreis an In die Sonne sehen, das insgesamt zehn Auszeichnungen erhielt. Doch es waren vor allem die Reden und hinter den Kulissen geäußerten Kommentare, die eine breitere Debatte über künstlerische Freiheit und Verantwortung entfachten.

Der Abend begann mit der Würdigung von In die Sonne sehen unter der Regie von Masha Schilinski. Der Film dominierte die Preisverleihung, sicherte sich zehn Lolas und festigte damit seinen Platz als großer Gewinner des Abends.

Doch die Feier entwickelte sich schnell zu einer Plattform für grundsätzliche Diskussionen. Produzent Ingo Fliess, dessen Politdrama Gelbe Briefe zwei Auszeichnungen erhielt (und zuvor den Goldenen Bären bei der Berlinale gewonnen hatte), nutzte seine Rede, um die künstlerische Freiheit in Deutschland zu verteidigen. Er kritisierte Kulturstaatsministerin Claudia Roth direkt und warf ihr vor, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels falsch gehandhabt und sich in kulturelle Belange eingemischt zu haben.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Das Thema generationenübergreifende Macht und institutionelle Strukturen zog sich durch den gesamten Abend. Regisseur Leander Haussmann, der den Preis für den besten Hauptdarsteller überreichte, hielt eine wirre, unbeholfene Rede, in der er den Namen des Gewinners İlker Çatak wiederholt falsch aussprach. Der Ehrenpreisträger Wim Wenders hingegen reflektierte über sich wandelnde moralische Maßstäbe und gab zu, dass er heute keine Nacktszene mit einer 13-Jährigen mehr drehen würde. Er plädierte für einen offenen Dialog darüber, wie sich gesellschaftliche Werte entwickeln.

Die Veranstaltung offenbarten auch die Spannungen hinter den Kulissen. Wolfram Weimer, der den letzten Preis überreichte, tat so, als sei nichts Ungewöhnliches geschehen – trotz der Kontroversen des Abends. Später kritisierte er andere Redner und verstärkte damit den Eindruck von Reibereien.

Auffällig war, dass die Reden der Frauen an diesem Abend inhaltlich unauffällig blieben und die Kontroversen mieden, die die Beiträge der Männer prägten.

Die Lolas zeigten zwar die Erfolge des deutschen Films, legten aber auch die anhaltenden Debatten über Macht, Ethik und politischen Einfluss in der Kunst offen. Mit In die Sonne sehen als strahlendem Gewinner und Figuren wie Fliess und Wenders, die die Diskussionen befeuerten, spiegelten die Preise sowohl kreative Erfolge als auch ungelöste Spannungen innerhalb der Branche wider.

Quelle