Mainzer Faschingssitzung bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau am Protokoll

Christoph Döhn
Christoph Döhn
2 Min.
Ein Plakat, das ein Festival in München ankündigt und ein Gemälde einer Frau mit menschlichem Gesicht zeigt, umgeben von anderen Menschen und Bäumen mit Text.Christoph Döhn

Frauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Faschingssitzung bricht mit 200-jähriger Tradition – erstmals eine Frau am Protokoll

Die diesjährige Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht-Faschingssitzung markiert einen historischen Wandel. Zum ersten Mal seit fast 200 Jahren führt mit Christina Grom eine Frau das Protokoll. Die Veranstaltung begrüßt zudem erfahrene Künstler zurück, die mit neuer politischer Spitzen-Satire aufwarten.

Die Mainzer Karnevalssitzung ist seit Langem eine Bühne für scharfe politische Kommentare. Seit den 1970er-Jahren nimmt sie Bundespolitiker und Skandale aufs Korn – von der Ära Helmut Kohls bis zur Eurokrise. Persönlichkeiten wie Angela Merkel und Gerhard Schröder wurden hier regelmäßig auf die Schippe genommen.

In diesem Jahr übernimmt Christina Grom die Regie und richtet ihre satirischen Spitzen gegen Kanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Einer ihrer Witze schlägt vor, im Himmel solle man die Gutenberg-Bibel nutzen, um Trumps Ego "luftleer zu pumpfen".

Unterdessen kehrt Jürgen Wiesmann für seinen 25. Auftritt als Ernst Lustig zurück, eine beliebte Karnevalsfigur. Andreas Schmitt, der trotz einer gesundheitsbedingten Pause 2025 durchhält, moderiert die Show und beschließt sie in seiner traditionellen Rolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms.

Die seit 1991 von Atze Brauns präsentierte Sitzung hat sich von leichter Volksbelustigung zu einer furchtlosen satirischen Institution entwickelt. Über Jahrzehnte hinweg nahm sie Korruption, Machtmissbrauch und große politische Ereignisse gleichermaßen scharf ins Visier.

Groms Debüt als Protokollführerin bricht mit einer zweihundertjährigen Tradition. Die Mischung aus erfahrenen Künstlern und frischer Satire bewahrt den Ruf der Veranstaltung als mutige politische Komödie. Die diesjährige Ausgabe beweist einmal mehr ihren Stellenwert als festes Fundament der deutschen Karnevalskultur.