Münchens "Bayernkult": Wie Lahav Shani mit "Servus" die Philharmoniker erobert
Horst-Dieter GertzMünchens "Bayernkult": Wie Lahav Shani mit "Servus" die Philharmoniker erobert
München feiert seine Traditionen seit jeher mit einer ganz eigenen Note kultureller Offenheit. Statt sich bedingungslos der Multikulturalität zu verschreiben, integriert die Stadt fremde Einflüsse in ihren ganz eigenen "Bayernkult" – eine lokal geprägte Interpretation globaler Vielfalt. Dieser Ansatz erstreckt sich sogar auf die klassische Musikszene, wo internationale Künstler mit einer typisch bayerischen Note willkommen geheißen werden.
Die Münchner Philharmoniker haben kürzlich Lahav Shani zu ihrem neuen Chefdirigenten ernannt. Seine erste Zusammenarbeit mit dem Orchester erfolgte 2022 bei einem Benefizkonzert für die Ukraine, an der Seite der Geigerin Anne-Sophie Mutter. Statt einer schlichten "Shalom"-Kampagne zu seinem Amtsantritt entschied man sich für einen bayerischen Gruß: "Servus!" – eine Wahl, die Münchens Gewohnheit unterstreicht, fremde Elemente in den eigenen Kulturkanon einzubetten.
Die Werbematerialien für die Spielzeit 2026/27 heben Shannis "Begeisterung für klangliche Vielfalt" hervor und präsentieren sie als perfekte Passform für Münchens "aufgeschlossenes und neugieriges" Wesen. Das Orchester wirbt zudem mit renommierten Solisten wie Martha Argerich, Zubin Mehta und Rudolf Buchbinder, unterstreicht damit seinen internationalen Anspruch – und bleibt doch unverkennbar lokal verankert.
Dieses Muster ist nicht neu. Als Simon Rattle zu den Berliner Philharmonikern stieß, begrüßte ihn die Hauptstadt mit einem weltoffenen "Willkommen!" In München hingegen werden selbst Stars wie Rattle Teil einer "Symphonischen Hoagascht" – einer bayerisch geprägten Veranstaltung, die klassische Musik spielerisch mit regionaler Folklore verbindet. Ähnlich wurden Fußballlegenden wie Franck Ribéry und Arjen Robben schon mal als Volksmusik-Clowns inszeniert – eine weitere Verschmelzung von globaler und lokaler Kultur.
Selbst bayerische Politiker bedienen sich gelegentlich dieser hybriden Identität. Ministerpräsident Markus Söder ließ sich bereits mit einem "Söder-Döner" fotografieren – ein Augenzwinkern zur wachsenden Vorliebe der Region für fremde Aromen, sofern sie mit einer bayerischen Note daherkommen.
Münchens kulturelle Strategie setzt auf "Bayernkult" statt auf reine Multikulturalität. Die Orchestern der Stadt, ihre Politiker und öffentlichen Persönlichkeiten verbinden internationale Impulse weiterhin mit lokalen Traditionen. Das Ergebnis ist eine einzigartige – wenn auch mitunter verspielt wirkende – Auslegung globaler Offenheit.






