NDR setzt Moderatorin Julia Ruhs nach politischer Kritik ab – und löst Debatte aus
Horst-Dieter GertzNDR setzt Moderatorin Julia Ruhs nach politischer Kritik ab – und löst Debatte aus
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin der Reportage-Sendung "Klar" abgesetzt. Der Schritt folgt auf ihre öffentlichen Äußerungen zu politischen Positionen und Medienkritik. Die Entscheidung hat sowohl unter Rundfunkschaffenden als auch bei Komiker:innen eine Debatte ausgelöst.
Ruhs, die sich selbst als "mitte-rechts" einordnet, begann ihre Karriere als Freiwillige beim Bayerischen Rundfunk (BR) und stieg innerhalb von drei Jahren zur Moderatorin auf. Sie hatte zuvor wiederholt eine "links-grüne Meinungsvorherrschaft" in den deutschen Medien kritisiert, unter anderem 2020 bei einer Veranstaltung der CSU, während sie gleichzeitig als freie Mitarbeiterin für den BR und die "Bild" arbeitete. Ihre politische Haltung geriet jüngst wieder in den Fokus, als "heute-show"-Moderator Oliver Welke einen Ausschnitt aus einem Interview mit dem "Cicero"-Magazin zeigte, in dem Ruhs sagte: "Selbst einige meiner Freunde haben durchaus recht konservative Ansichten."
Die NDR-Redaktion hatte alle drei Folgen, die Ruhs für den Sender moderiert hatte, abgesegnet. Dennoch entschied sich der Sender, sie für künftige Ausgaben von "Klar" durch Tanit Koch zu ersetzen. Ruhs bleibt jedoch weiterhin Moderatorin der Sendung beim Bayerischen Rundfunk.
Die Entscheidung stieß auf geteilte Reaktionen. Welke kritisierte den Schritt des NDR und forderte mehr Toleranz für unterschiedliche Standpunkte in den Medien: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Ruhs selbst reagierte auf X (ehemals Twitter) und nannte die Satire der "heute-show" über die ARD-Handhabung des Falls "etwas gemein, aber sehr lustig". Die ZDF-Komikerin Carolin Kebekus (bekannt als Bosetti) hingegen verteidigte den NDR und bezeichnete Ruhs' Auftreten als "Populismus und schlechten Journalismus".
Ruhs bleibt weiterhin Moderatorin beim Bayerischen Rundfunk, wird "Klar" für den NDR jedoch nicht mehr präsentieren. Der Streit verdeutlicht die anhaltenden Spannungen um die politische Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der NDR hat sich zu den genauen Gründen für die Entscheidung nicht weiter geäußert.






