Neubaur fordert schärfere Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch nach Fall Collien Fernandes
Nina PohlNeubaur fordert schärfere Gesetze gegen Deepfake-Missbrauch nach Fall Collien Fernandes
Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, fordert dringende Rechtsreformen, um den Missbrauch von Deepfakes zu bekämpfen. Nach dem öffentlichen Bericht der Schauspielerin Collien Fernandes über ihre Erfahrungen mit Deepfake-Pornografie betonte Neubaur die Notwendigkeit stärkerer Schutzmaßnahmen gegen digitale Gewalt. Sie bezeichnete das Problem als weit verbreitet und kritisierte die zögerliche Reaktion Deutschlands auf die wachsende Bedrohung.
Neubaur lobte Fernandes als "eine mutige Frau", deren Entscheidung, sich öffentlich zu äußern, ein wichtiges Signal an andere Betroffene sende. Die Schauspielerin hatte enthüllt, dass ihr Ex-Partner ohne ihr Einverständnis pornografische Deepfake-Inhalte erstellt und verbreitet hatte. Während Deutschland derzeit keine spezifischen Gesetze gegen die Erstellung von Deepfakes besitzt – und nur deren Verbreitung über Urheberrechts- oder Verleumdungsparagraphen ahndet –, wies Neubaur auf gravierende rechtliche Lücken hin, die Opfer schutzlos zurücklassen.
Sie schlug die Einrichtung spezialisierter Gerichte für sexualisierte Gewalt vor, die sowohl physische als auch digitale Straftaten behandeln – ähnlich wie in Ländern wie Spanien, wo bereits strengere Regelungen gelten. Dort drohen bei der Verbreitung nicht einvernehmlicher Deepfakes Geldstrafen und Haftstrafen von ein bis zwei Jahren. Erst kürzlich wurde in Almendralejo eine Schule zu einer Strafe von 2.000 Euro wegen eines Deepfake-Vorfalls verurteilt. Deutschlands Justizministerin Eva Hubig hat unterdessen den Reformbedarf anerkannt.
Neubaur setzte sich zudem für umfassendere Änderungen im Sexualstrafrecht ein und argumentierte, dass digitale und physische Gewalt gleich schwerwiegend behandelt werden müssten. Sie warnte, dass Deepfakes längst kein Nischenproblem mehr seien, sondern ein gesellschaftlich relevantes Thema, das schnelles legislatives Handeln erfordere.
Der Fall Fernandes hat die Schwächen des aktuellen deutschen Rechtsrahmens offengelegt, in dem Betroffene nur begrenzte Möglichkeiten haben, Gerechtigkeit zu erlangen. Während Spanien verschärfte Strafen einführt, zielen Neubauers Vorschläge darauf ab, ähnliche Lücken im deutschen Recht zu schließen. Die Forderung nach Reformen konzentriert sich nun darauf, digitale Gewalt mit denselben Konsequenzen zu ahnden wie physische Straftaten.






