NRW führt verpflichtende abc-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Kristiane Dippel
Kristiane Dippel
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Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen, geht vor einem großen weißen Gebäude mit Fenstern und Türen vorbei, umgeben von Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.Kristiane Dippel

NRW führt verpflichtende abc-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch Schulen sind überlastet

Nordrhein-Westfalen plant verpflichtende "abc-Kurse" für Kinder mit Deutschdefiziten vor der Einschulung

Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) besteht darauf, dass kein Kind die Schule ohne ausreichende Sprachkenntnisse beginnen solle. Doch Kritiker warnen, der Vorstoß könnte ein bereits überlastetes System weiter belasten.

Die neue Regelung sieht vor, dass Kinder, die bei der frühkindlichen Sprachstandserhebung durchfallen, zusätzliche Förderstunden besuchen müssen. Die "abc-Kurse" sollen die Deutschkompetenz stärken – doch es gibt praktische Bedenken.

Grundschulen im gesamten Bundesland, etwa in Solingen, sind bereits voll ausgelastet. Die Suche nach Räumlichkeiten für die Zusatzkurse stellt eine große Herausforderung dar. Zudem fragen sich Schulleitungen, wie sie Kleinkinder mehrmals pro Woche von Kitas zu den Schulen transportieren sollen.

Der Lehrkräftemangel verschärft die Probleme. Viele Schulen haben nicht genug Personal, um die zusätzliche Förderung zu leisten, und Sozialpädagog:innen fürchten, die Mehrbelastung könnte sie an ihre Grenzen bringen. Ohne weitere Mittel für Neubauten oder qualifiziertes Personal, so argumentieren Expert:innen, droht die Maßnahme, Burnout zu verstärken und die Bildungsqualität zu senken.

Kritiker betonen, dass die Verantwortungsverlagerung von Kitas auf Schulen keine nachhaltige Lösung sei. Stattdessen fordern sie, das Land solle in die frühkindliche Bildung investieren und den Druck auf Grundschulen verringern. Derzeit tragen die Kommunen die Last – ohne ausreichende Ressourcen. Die abc-Kurse bleiben damit oft nur eine theoretische Idee.

Ziel der Landesregierung ist es, Sprachdefizite vor der Einschulung zu schließen. Doch ohne zusätzliche Mittel, Räume oder Personal könnte der Plan die Schulen weiter überfordern. Logistische Hürden und Personalmangel könnten die Umsetzung verzögern oder abschwächen.