NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Horst-Dieter GertzNRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) gehen am Donnerstag auf die Straße. In Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld sind Proteste gegen geplante Honorarkürzungen geplant, die ab April 2026 in Kraft treten sollen. Die bevorstehenden Einschnitte lösen Sorgen um die Zukunft der psychotherapeutischen Versorgung in der Region aus.
Die geplanten Kürzungen senken den aktuellen Satz für eine Sitzung mit gesetzlich Versicherten, der derzeit bei 119,89 Euro liegt. Ab dem 1. April 2026 werden die Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent gekürzt – eine zusätzliche finanzielle Belastung für einen ohnehin schon unter Druck stehenden Bereich. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdienen in Deutschland bereits jetzt weniger als alle anderen spezialisierten Gesundheitsdienstleister, was die Zukunft des Berufsstands zunehmend infrage stellt.
Die Erlangung eines Kassensitzes – der Zulassung zur Behandlung gesetzlich Versicherter – kann bis zu 50.000 Euro kosten, obwohl es keine offizielle Preisregelung gibt. Die Psychotherapeutenkammer NRW warnt, dass der finanzielle Druck immer mehr Therapeuten dazu bringen könnte, sich auf Privatpatienten zu konzentrieren und gesetzlich Versicherte zu vernachlässigen. Dies könnte die ohnehin schon langen Wartezeiten weiter verschärfen: In NRW warten gesetzlich Versicherte im Schnitt bereits fünf Monate auf einen Ersttermin.
Der Mangel an Kassensitzen ist ein bundesweites Problem – Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland etwa 7.000 dieser Zulassungen. Besonders betroffen sind ländliche Regionen sowie die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, wo Patienten teilweise bis zu einem Jahr auf eine Behandlung warten müssen. Die Kammer befürchtet, dass weitere Gebührenkürzungen die Krise vertiefen und noch mehr Menschen ohne zeitnahe psychotherapeutische Unterstützung zurücklassen werden.
Die Proteste spiegeln die wachsende Verärgerung unter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über die Finanzierung und Arbeitsbedingungen wider. Angesichts längerer Wartezeiten und immer weniger Therapeuten, die gesetzlich Versicherte behandeln können, droht die psychotherapeutische Versorgung in NRW weiter zu erodieren. Die geplanten Kürzungen treten in weniger als zwei Jahren in Kraft – die Zeit, um die wachsende Versorgungslücke zu schließen, wird knapp.






