Olaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen politischer Pflichten
Christoph DöhnOlaf Scholz verpasst Weiberfastnacht wegen politischer Pflichten
Bundeskanzler Olaf Scholz wird in diesem Jahr nicht an den Weiberfastnacht-Feierlichkeiten teilnehmen – stattdessen steht ein wichtiges politisches Treffen auf seiner Agenda. Der Kanzler, der am 11. November geboren wurde, einem Datum mit tiefer Verbindung zur Karnevalstradition, hat persönliche Wurzeln in den Festlichkeiten: Seine rheinische Großmutter stammte aus Andernach. Sein Fernbleiben fällt in eine Zeit, in der das Fest, geprägt von weiblichem Protest und regionalen Bräuchen, in ganz Deutschland begangen wird.
Die Weiberfastnacht, auch "Weiberfastelovend" oder "Altweiberfastnacht" genannt, blickt auf mittelalterliche Ursprünge zurück. Ursprünglich trafen sich Frauen, um vor der Fastenzeit gemeinsam zu singen, zu tanzen und zu schmausen – ein bewusster Bruch mit den damaligen Geschlechterrollen. Der heutige Brauch, Männern symbolisch die Krawatten abzuschneiden, etablierte sich erst in den 1950er-Jahren, insbesondere im Rheinland. Die Feiern unterscheiden sich je nach Region: Während Köln und das Ruhrgebiet mit ausgelassenen Umzügen aufwarten, wird im Sauerland – wo Scholz' familiäre Wurzeln liegen – eine ruhigere Variante begangen. In Süddeutschland, etwa in Konstanz, trägt der Tag den Namen Schmotziger Dunschtig, eine Bezeichnung, die auf nationalsozialistische Einflüsse auf Satire und Geschlechternormen zurückgeht.
Scholz, geboren am 11. November 1955, hat stets seine Verbindung zum Karneval betont. Das Datum markiert traditionell den Auftakt der "fünften Jahreszeit", und er feierte bereits drei "runde" Geburtstage (60, 70 usw.) an diesem Tag. Trotz dieser Verbundenheit wird er den Weiberfastnachtstag diesmal in einer nicht öffentlichen Strategieklausur in der Nähe von Brüssel verbringen, wo es um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie geht. Später plant er ein Treffen mit Teilen des Bundeskabinetts.
Auch Scholz' Sauerländer Herkunft verbindet ihn mit dem Karneval, wenn auch in einer Form, die sich mit Schützenfesten vermischt. Die rheinischen Wurzeln seiner Großmutter vertiefen zudem seine persönliche Bindung an die ausgelassenen Feiern im Rheinland – doch in diesem Jahr halten ihn seine amtlichen Pflichten davon fern.
Sein Fernbleiben unterstreicht den Konflikt zwischen politischen Verpflichtungen und kulturellen Traditionen. Das Fest, eine Mischung aus mittelalterlichen Wurzeln und modernen Eigenheiten, bleibt lebendig – von den lauten Umzügen im Rheinland bis zu den beschaulicheren Feiern im Sauerland. Der Kanzler hingegen konzentriert sich auf wirtschaftliche Strategien und überlässt die Feierlichkeiten in diesem Jahr anderen.






