Riesige Seen statt Kohlegruben: Warum das Rheinische Revier vor einer riskanten Wette steht
Christoph DöhnRiesige Seen statt Kohlegruben: Warum das Rheinische Revier vor einer riskanten Wette steht
Großprojekt zur Flutung ehemaliger Kohlegruben im rheinischen Revier schreitet voran – trotz wachsender Bedenken
Ein gigantisches Vorhaben zur Flutung stillgelegter Braunkohletagebaue im deutschen Rheinland nimmt Gestalt an – obwohl die Sorgen um die Wasserqualität und die langfristigen Kosten immer größer werden. Geplant ist, drei ehemalige Tagebaue mit Rheinwasser zu füllen und so in den kommenden Jahrzehnten künstliche Seen zu schaffen. Kritiker warnen jedoch, dass das Projekt lokale Ressourcen überlasten und die Steuerzahler mit dauerhaften finanziellen Belastungen zurücklassen könnte.
In der ersten Phase sollen ab 2030 die Tagebaue Hambach und Inden geflutet werden, gefolgt von Garzweiler im Jahr 2036. Eine 45 Kilometer lange Pipeline, bestehend aus 10.000 Rohren mit einem Durchmesser von bis zu 2,2 Metern, wird das Wasser aus dem Rhein in die Gruben leiten. Der Energiekonzern RWE, der das Projekt leitet, wirbt damit, dass die neuen Seen den Tourismus fördern, Feuchtgebiete schützen und Arbeitsplätze schaffen werden. Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als ein "Symbol für Verlässlichkeit und zukünftige Chancen".
Doch das Vorhaben stößt auf Widerstand. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben stellen infrage, ob die Seen die Wasserqualität beeinträchtigen und den Grundwasserspiegel destabilisieren könnten. Der scharfe Kritiker Andreas Büttgen befürchtet, RWE könnte die Flutung vorzeitig beenden und die Region mit den langfristigen Folgen allein lassen. Selbst die Genehmigung für die Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach ist noch nicht geklärt – die Bezirksregierung Arnsberg will das Verfahren erst im Herbst 2026 einleiten.
Die Reaktionen vor Ort sind gespalten. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller erwartet, dass der künftige Hambacher See das Ansehen seiner Gemeinde steigern wird – er schlägt sogar eine Umbenennung in Elsdorf am See vor. Büttgen hingegen fordert strengere Kontrollen des Rheinwassers vor der Einleitung in die Gruben und verweist auf mögliche Verunreinigungen.
Zusätzlichen Druck übt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region aus, das die ohnehin angespannte Wasserversorgung weiter verschärfen könnte. Zudem erschwert der jahrzehntelange Zeitrahmen für die Flutung eine effektive öffentliche Kontrolle – Transparenz und Rechenschaftspflicht geraten dadurch in den Fokus der Kritik.
Die Flutung der Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden soll ab 2030 schrittweise erfolgen. Während RWE die Seen als wirtschaftlichen und ökologischen Gewinn preist, verweisen Skeptiker auf ungelöste Fragen zur Wasserqualität und zu den finanziellen Risiken. Die endgültige Genehmigung für die Einleitung in Hambach steht noch aus – das Zulassungsverfahren beginnt erst Ende 2026.






