Rita Süssmuths mutiger Kampf gegen AIDS veränderte Deutschlands Gesundheitspolitik

Christoph Döhn
Christoph Döhn
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Eine große Gruppe von Menschen auf einer LGBTQ+-Rechtsdemo in Berlin, die Fahnen und Plakate schwenken, mit Gebäuden und einem Kran im Hintergrund unter einem bewölkten Himmel.Christoph Döhn

Rita Süssmuths mutiger Kampf gegen AIDS veränderte Deutschlands Gesundheitspolitik

Am 26. September 1985 wurde Rita Süssmuth im Bonner Bundestag als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit vereidigt. Mit den Worten "So wahr mir Gott helfe" leistete sie ihren Amtseid und übernahm ein Ressort, das trotz bescheidenem Budget bald zum Zentrum eines der drängendsten gesundheitspolitischen Konflikte Deutschlands werden sollte. Als überzeugte Katholikin und ehemalige Erziehungswissenschaftlerin verband sie in ihrer Arbeit Überzeugungskraft mit Pragmatismus.

Die 1937 in Wuppertal geborene Süssmuth war in der CDU mit Unterstützung von Heiner Geißler aufgestiegen, der in ihr eine Vertreterin eines Bruchs mit den patriarchalen Traditionen der politischen Partei sah. Ihre Werte – geprägt von Mitgefühl, Nächstenliebe und Fürsorge – leiteten ihr Handeln, selbst wenn sie damit konservative Erwartungen herausforderten.

Die AIDS-Krise prägte maßgeblich ihre Amtszeit. 1987 startete sie die Kampagne "Gib AIDS keine Chance" – eine mutige Initiative mit Fernsehspots, Plakaten und Anzeigen, die den Gebrauch von Kondomen förderte und die Stigmatisierung von Sexualität abbauen sollte. Noch im selben Jahr gründete sie die Nationale AIDS-Stiftung (später Deutsche AIDS-Stiftung), deren Vorsitz sie übernahm, und richtete 1988 im Bundesgesundheitsamt das AIDS-Zentrum ein, um Forschung und Epidemiologie zu koordinieren.

Ihr Engagement ging über die Politik hinaus. Süssmuth knüpfte Bündnisse mit Ärzten, Wissenschaftlern und AIDS-Hilfsorganisationen, setzte sich für Aufklärung und Prävention ein und trat gegen Diskriminierung auf. Zudem führte sie eine klare Sprache in die öffentliche Debatte ein – Begriffe wie Kondom, Samenflüssigkeit oder Virenlast – und verstörte damit Teile der eigenen politischen Partei. Statt sich der reaktionären "geistig-moralischen Wende" anzuschließen, verfolgte sie ihre Ziele mit beharrlicher Zielstrebigkeit.

1988 erreichte ihre politische Laufbahn einen weiteren Höhepunkt, als sie zur Bundestagspräsidentin gewählt wurde – ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang innehatte.

Süssmuths Wirken als Ministerin hinterließ tiefgreifende Spuren in der deutschen Gesundheitspolitik. Ihre Kampagnen veränderten den Umgang des Landes mit AIDS, indem sie wissenschaftliche Präzision mit einem Appell zur Solidarität verbanden. Am Ende ihrer Amtszeit hatte sie sich den Ruf einer Reformerin erarbeitet, die bereit war, Normen infrage zu stellen – im Namen des Fortschritts.

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