Streit um Arbeitszeitrechner: GEW NRW wirft Ministerin Feller Realitätsverlust vor

Nina Pohl
Nina Pohl
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Eine Klasse mit Kindern an Tischen mit verschiedenen Gegenständen, einer Lehrerin in der Mitte und einer Tafel im Hintergrund.Nina Pohl

Streit um Arbeitszeitrechner: GEW NRW wirft Ministerin Feller Realitätsverlust vor

Ein Streit ist zwischen Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) und der Lehrergewerkschaft GEW NRW über Arbeitsbelastung und die Nutzung eines Arbeitszeitrechners entbrannt. Die Gewerkschaft hat Fellers jüngste Äußerungen scharf kritisiert und sie als realitätsfremd gegenüber dem Alltagsstress von Lehrkräften bezeichnet.

Im Zentrum des Konflikts steht der Vorschlag der Ministerin, dass die Nutzung eines Arbeitszeitrechners zu einer Ausweitung der Präsenzpflichten führen könnte – auch in den Ferien. Dies lehnt die GEW NRW entschieden ab.

Auslöser der Auseinandersetzung war Fellers Aussage, die verpflichtende Nutzung eines Arbeitszeitrechners sei ein "schwieriges Thema". Sie deutete an, dass eine solche Nutzung strengere Anwesenheitsregeln nach sich ziehen könnte – selbst außerhalb der Unterrichtszeiten. Die GEW NRW wies dies umgehend zurück und betonte, dass die Nutzung eines Arbeitszeitrechners der Transparenz und dem Gesundheitsschutz dienen solle, nicht aber der Einschränkung der Flexibilität von Lehrkräften.

Die Gewerkschaft widersprach zudem Fellers Behauptung, dass vollbeschäftigte Lehrkräfte nicht strukturell überlastet seien. Studien der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass viele Pädagoginnen und Pädagogen aufgrund beruflicher Anforderungen erhebliche unbezahlte Überstunden leisten. Laut GEW unterstreichen diese Erkenntnisse die Notwendigkeit einer ehrlichen Debatte über Arbeitsbelastung, Ressourcen und wirksame Entlastungsmaßnahmen. Fellers Aussagen zogen weitere Kritik auf sich, da sie angeblich die Realität im Schulalltag ignoriere. Die GEW warf ihr vor, die Belastungen von Lehrkräften – von der Unterrichtsvorbereitung bis zu Verwaltungsaufgaben – herunterzuspielen. Sie betonten, dass die Nutzung eines Arbeitszeitrechners eine gesetzliche Verpflichtung sei – und kein gewerkschaftliches oder politisches Anliegen – und nicht als Rechtfertigung für zusätzliche Verpflichtungen dienen dürfe.

Die Gewerkschaft fordert eine offene Diskussion darüber, wie Lehrkräfte wirksam unterstützt werden können. Sie besteht darauf, dass die Landesregierung die Verantwortung für die Wertschätzung und den Schutz des Wohlbefindens der Beschäftigten im Bildungsbereich übernehmen muss – statt Maßnahmen einzuführen, die ihre Arbeitsbedingungen weiter verschlechtern könnten.

Der Streit lässt zentrale Fragen ungelöst. Die GEW NRW drängt weiterhin auf Reformen bei der Arbeitsbelastung und lehnt jede Verpflichtung zu Ferienpräsenz ab. Gleichzeitig haben Fellers Äußerungen die Forderungen nach klaren politischen Lösungen verstärkt, die die langjährigen Sorgen der Lehrkräfte aufgreifen – ohne zusätzliche Belastungen aufzubürden.