Streit um teure Medikamente: Wer entscheidet für ältere Patient:innen?
Christoph DöhnStreit um teure Medikamente: Wer entscheidet für ältere Patient:innen?
In Deutschland ist die seit Langem schwelende Debatte über teure Medikamente für ältere Patientinnen und Patienten erneut aufgeflammt. Der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, hat sich gegen Kritik des Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck, zur Wehr gesetzt. Streitpunkt ist die Frage, wer entscheiden soll, wann kostspielige Behandlungen für ältere Menschen gerechtfertigt sind.
Das Thema wird bereits seit 2020 diskutiert, da steigende Gesundheitskosten und eine alternde Bevölkerung die Haushalte belasten. Die Bundesländer gehen dabei unterschiedlich vor – einheitliche bundesweite Regelungen fehlen. Einige Regionen stellen den medizinischen Bedarf in den Vordergrund, andere legen stärkeres Gewicht auf finanzielle Grenzen.
Laumann betonte, dass medizinisches Fachpersonal – und nicht Politiker – darüber entscheiden solle, welche Patientinnen und Patienten teure Arzneimittel erhalten. Die aktuellen Vorschriften seien klar, eine politische Einmischung unnötig, so der Minister. Seine Äußerungen erfolgten als Reaktion auf Streecks Infragestellung, ob sehr alte Patientinnen und Patienten stets hochpreisige Therapien erhalten sollten.
Die Diskussion zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen medizinischer Ethik und finanziellen Realitäten im deutschen Gesundheitssystem auf. Ohne bundesweite Einigung dürften die regionalen Unterschiede bei der Verordnungspraxis bestehen bleiben. Laumanns Position unterstreicht die Auffassung, dass Ärztinnen und Ärzte – und nicht die Politik – diese Entscheidungen treffen sollten.