Traditions-Apotheke schließt nach 70 Jahren: „Kein Nachfolger will die Last tragen“

Christoph Döhn
Christoph Döhn
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Eine Apotheke mit einem vor ihr geparkten Auto und einem Gebäude in der linken Ecke.Christoph Döhn

Traditions-Apotheke schließt nach 70 Jahren: „Kein Nachfolger will die Last tragen“

Überschrift: Inhaberin schließt Apotheke: „Zu viele Auflagen für Nachfolger“

Teaser: Die Schließungswelle bei ortsansässigen Apotheken macht auch vor traditionellen Betrieben nicht halt. Es fehlt an Nachfolgern, Personal und wirtschaftlicher Attraktivität. Die älteste Apotheke Freckenhorsts schließt am 31. Dezember ihre Pforten. „Das Geschäft lohnt sich für Nachfolger nicht. Zudem müssen zahlreiche Auflagen erfüllt und Sanierungen vorgenommen werden“, sagt Inhaberin Sabine Vettin.

Veröffentlichungsdatum: 14. Dezember 2025, 00:05 Uhr

Schlagwörter: Gesundheit & Wohlbefinden, Wirtschaft, Finanzen, Unternehmen

Artikeltext: Die älteste Apotheke Freckenhorsts wird Ende 2025 nach über 70 Jahren ihre Türen für immer schließen. Die Kreuz-Apotheke, seit 1954 in Betrieb, stellt den Betrieb ein, weil sich kein Käufer fand, der bereit war, die finanziellen und strukturellen Herausforderungen zu übernehmen. Für Inhaberin Sabine Vettin ist die Entscheidung schmerzhaft, aber unvermeidbar.

Vettin führt die Apotheke seit 26 Jahren – oft allein und mit selbst übernommenen Notdiensten. Sie macht steigende Kosten, strenge Regularien und den Aufstieg der Online-Apotheke für die mangelnde Wirtschaftlichkeit verantwortlich. Auch das Gebäude selbst bereitet Probleme: Es ist nicht barrierefrei, die Notdiensträume müssen saniert werden, und automatische Türen fehlen.

Ähnlichen Druck spüren Apotheken in ganz Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen stehen in Kürze 16 weitere Schließungen bevor. Zwar gibt es keine spezifischen Gesetze, die direkt zu Schließungen zwingen, doch werden die Kontrollen verschärft und einheitliche Standards eingeführt. Bundesweit ist die Übernahme einer Apotheke an die Zustimmung der Apothekerkammer gebunden, zudem müssen Versorgungsstandards eingehalten und ein approbierter Apotheker die Leitung übernehmen – Anforderungen, die viele potenzielle Interessenten abschrecken.

Nach der Schließung will Vettin als Angestellte in einer anderen Apotheke arbeiten, um steuerliche Verpflichtungen zu erfüllen. Mit dem Wegfall der Kreuz-Apotheke verliert Freckenhorst eine seit Langem etablierte lokale Einrichtung. Angesichts weiterer drohender Schließungen könnte es für viele Gemeinden schwieriger werden, vor Ort pharmazeutische Beratung und Versorgung in Anspruch zu nehmen.