Umstrittene AfD-Grafik zu Kriminalität entfacht neue Migrationsdebatte in Deutschland
Horst-Dieter GertzUmstrittene AfD-Grafik zu Kriminalität entfacht neue Migrationsdebatte in Deutschland
Eine umstrittene Grafik, die von AfD-Politikern verbreitet wurde, hat die Debatte über Kriminalität und Migration in Deutschland neu entfacht. Die Darstellung, die einen Anstieg sexualisierter Gewalt seit 2015 suggeriert, wurde von Parteimitgliedern wie Florian Machl, Maximilian Krah und Maximilian Kneller geteilt. Experten warnen jedoch, dass die Daten ein unvollständiges Bild der Lage vermitteln.
Die Grafik tauchte erstmals in einem T-Online-Artikel vom August 2023 auf und stützt sich auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), die vom Bundeskriminalamt (BKA) erhoben wird. Anfang 2024 wurde sie dann für politische Diskussionen über Migration und Kriminalität instrumentalisiert. Doch die Zahlen erfassen nur Fälle, in denen die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen wurden – ein erheblicher Anteil nicht angezeigter oder ungeklärter Straftaten bleibt damit im Dunkelfeld.
Ein deutlicher Anstieg der Tatverdächtigen zwischen 2020 und 2021 geht vor allem auf eine Zunahme von Fällen im Zusammenhang mit der Verbreitung von Kinderpornografie und pornografischem Material zurück. Der allgemeine Anstieg seit 2015 ist zudem auf gesetzliche Änderungen zurückzuführen, etwa die Einführung des 'Nein-heißt-Nein'-Prinzips sowie neue Regelungen zu sexueller Belästigung und gruppenbezogenen Straftaten. Die Daten geben keine Auskunft über die Staatsangehörigkeit oder den Aufenthaltsstatus der Tatverdächtigen. Zwar überwiegen männliche Verdächtige in jedem Jahr deutlich, doch liegen keine genauen Zahlen vor, wie viele deutsche Staatsbürger zwischen 2015 und 2022 wegen solcher Delikte angeklagt wurden. Dennoch räumte Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte Oktober ein, dass Migration in deutschen Ballungsräumen ein 'Problem' darstelle.
Die Verbreitung der Grafik durch AfD-Abgeordnete unterstreicht die anhaltenden Spannungen um Kriminalstatistiken und Migration. Allerdings fehlen in den Daten zentrale Angaben zu den demografischen Merkmalen der Tatverdächtigen, und nicht erfasste Fälle bleiben unberücksichtigt. Auch rechtliche Reformen und veränderte Straftatbestände spielen eine entscheidende Rolle für den registrierten Anstieg der Verdächtigenzahlen.






