US-Forschende fliehen in Scharen nach Deutschland – warum die USA sie nicht mehr halten können

Nina Pohl
Nina Pohl
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Ein Plakat mit der Aufschrift "Präsident Bidens Chips und Wissenschaftsgesetz bringt die Chipproduktion zurück in die USA" mit Bildern von Gebäuden, Autos und Bäumen.Nina Pohl

US-Forschende fliehen in Scharen nach Deutschland – warum die USA sie nicht mehr halten können

Immer mehr US-amerikanische Forscherinnen und Forscher blicken derzeit nach Europa – insbesondere nach Deutschland, das zu einem der beliebtesten Ziele geworden ist. Dieser Trend folgt auf Jahre der Kürzungen bei der Forschungsförderung in den USA, vor allem während der Amtszeit von Donald Trump. Deutsche Wissenschaftsorganisationen verzeichnen ein stark gestiegenes Interesse von US-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die nach Stabilität und Unterstützung suchen.

Zwischen 2017 und 2021 sanken die Bundesmittel für die Klimaforschung an führenden US-Universitäten wie Harvard, Stanford und Princeton deutlich. Kürzungen bei den Fördergeldern der National Institutes of Health (NIH) und der National Science Foundation (NSF) sowie eine Reduzierung der klimabezogenen NSF-Mittel um 30 Prozent bis 2019 ließen viele Projekte unterfinanziert zurück. Auch die Umweltbehörde EPA musste mit Budgetkürzungen kämpfen, was die Lage für Forscherinnen und Forscher zusätzlich erschwerte.

Nach 2021 erholte sich die Förderung unter Präsident Biden: Das Inflation Reduction Act stellt bis 2025 jährlich über 11 Milliarden Dollar für die Klimaforschung bereit. Trotz dieser Aufstockung bleibt die politische Unsicherheit – besonders bei Drittmittelgebern – bestehen. Viele US-Akademiker suchen daher in Europa nach langfristiger Planungssicherheit.

In Deutschland hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) eine Verdopplung der Bewerbungen für Masterstipendien von US-Studierenden verzeichnet. Auch die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und die Max-Planck-Gesellschaft melden eine steigende Nachfrage von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den USA. Gleichzeitig sinkt das Interesse deutscher Studierender an einem Aufenthalt in den USA – die Anfragen gingen um etwa zehn Prozent zurück.

Der DAAD sieht sich zudem in Russland mit Herausforderungen konfrontiert: Das russische Justizministerium stufte die Organisation als "unerwünschte Auslandsorganisation" ein, woraufhin das Moskauer Büro sowie das German House for Research and Innovation geschlossen werden mussten. Dies verändert die Dynamik des akademischen Austauschs zusätzlich.

Die Abwanderung von US-Forschenden nach Deutschland spiegelt die anhaltende Instabilität der amerikanischen Forschungsförderung wider. Zwar hat Bidens Politik Teile der Finanzierung wiederhergestellt, doch die Unsicherheit treibt viele ins Ausland. Deutsche Einrichtungen übernehmen zunehmend eine zentrale Rolle bei der Aufnahme internationaler Wissenschaftler – auch wenn ihre eigenen Aktivitäten in anderen Regionen eingeschränkt werden.