29 April 2026, 12:19

Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus an Kraft verlor – eine Anthologie sucht Antworten

Schwarze und weiße Illustration, die eine Szene mit Menschen, Tieren und Gegenständen zeigt, die den Übergang von Tory-Regierung zu liberaler Regierung darstellt.

Warum der Widerstand gegen den Neoliberalismus an Kraft verlor – eine Anthologie sucht Antworten

Krise der Kritik? Eine neue Anthologie hinterfragt den Schwund des Widerstands gegen den Neoliberalismus

Die neu erschienene Essay-Sammlung Krise der Kritik? untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren abgeschwächt hat. Das Buch argumentiert, dass das Verständnis dieses Niedergangs entscheidend ist, um aktuelle gesellschaftliche Umbrüche zu deuten. Gleichzeitig stellt es infrage, ob der Begriff "Neoliberalismus" selbst tiefgreifende Kapitalismuskritik eher fördert oder behindert.

Der Aufstieg des Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren wird häufig auf zwei Weisen erklärt: als Folge kapitalistischer Umstrukturierung oder als Verbreitung marktliberaler Ideen. Doch die Anthologie zeigt, dass selbst sozialdemokratische und linksliberale Kräfte neoliberale Reformen übernahmen – nicht nur konservative Akteure. Flemming Falz' Beitrag macht deutlich, dass diese Reformen oft als Reaktionen auf Krisen zu verstehen sind und nicht allein als ideologische Triumphe.

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Roman Kösters Analyse legt nahe, dass der Begriff "Neoliberalismus" oft zu vage oder zersplittert ist, um analytisch hilfreich zu sein. Zwar helfe er, kapitalistische Veränderungen zu erklären, doch verenge er die Kritik, indem er den Fokus auf konkrete Politiken lenke – statt auf den Kapitalismus als System. Benjamin Möckels Forschung vertieft diese Ambivalenz: Er zeigt, dass konsumkritische Ansätze, die später mit den 1968er-Protesten verbunden wurden, bereits während des Nachkriegbooms entstanden.

Das Buch beleuchtet zudem, wie Widerstand unter dem Neoliberalismus zunehmend individualisiert wurde. Die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren belebte zwar zeitweise sozialistische Ideen, vermochte aber keine starke antikapitalistische Opposition wiederherzustellen. Stattdessen verblassten grundsätzliche Kapitalismuskritiken, während Proteste zerstreuter und weniger wirksam wurden.

Die Anthologie kommt zu dem Schluss, dass der Rückgang antikapitalistischer Kritik zentral ist, um die anhaltende Prägung durch den Neoliberalismus zu begreifen. Indem sie sowohl die Grenzen des Begriffs als auch die Verschiebungen im Widerstand analysiert, bietet sie eine klarere Perspektive auf jüngste wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es breiter angelegter Kritiken bedarf – jenseits der spezifischen Ausprägungen des Neoliberalismus.

Quelle