Wasserstoff-Ausbau stockt: Warum Deutschland jetzt staatliche Mittelsmänner braucht

Nina Pohl
Nina Pohl
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Drei Autos nebeneinander auf einem Parkplatz geparkt, mit einem Maschendrahtzaun und Gras im Hintergrund, eines zeigt den Text 'Wasserstofffahrzeug'.Nina Pohl

Wasserstoff-Ausbau stockt: Warum Deutschland jetzt staatliche Mittelsmänner braucht

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (VIK) hat einen neuen Plan vorgelegt, um den Ausbau von Wasserstoff zu beschleunigen. Kernstück des Vorschlags ist die Schaffung staatlich gestützter "Wasserstoff-Mittelsmänner", die Produzenten und Verbraucher verbinden sollen. Ziel ist es, Investitionsrisiken zu verringern und die Preise in einem Markt zu stabilisieren, in dem erneuerbarer Wasserstoff nach wie vor deutlich teurer ist als Erdgas.

Der VIK warnt, dass ohne solche Maßnahmen hohe Kosten und regulatorische Hürden den Fortschritt bei der industriellen Wasserstoffnutzung ausbremsen könnten.

Aktuell ist erneuerbarer, durch Elektrolyse erzeugter Wasserstoff um ein Vielfaches teurer als Erdgas. Hohe Strompreise, hohe Kapitalkosten und strenge regulatorische Anforderungen treiben die Ausgaben in die Höhe. Der VIK argumentiert, dass diese Preisdifferenz industrielle Investitionen abschreckt und die Energiewende verlangsamt.

Als Lösung schlägt der Verband ein "Wasserstoff-Mittelsmann"-Modell vor. Diese Zwischenhändler würden als zentrale Käufer und Verkäufer agieren, eine stabile Beschaffung gewährleisten und so die Risiken für Hersteller verringern. Bisher gibt es in Deutschland jedoch keine Institutionen, die ein solches System unterstützen. Der VIK betont, dass staatlich abgesicherte Strukturen unerlässlich sind, um die Kluft zwischen Produktionskosten und Marktnachfrage zu überbrücken.

Der Plan sieht zudem ein "Contract-for-Difference"(CfD)-Modell auf der Nachfrageseite vor. Damit ließen sich Zahlungen an die Differenz zwischen Produktionskosten und der Zahlungsbereitschaft der Verbraucher anpassen. Allerdings lehnt der VIK verbindliche Quotenregelungen ab, wie sie etwa im Verkehrssektor mit der THG-Quote gelten. Zwangsquoten könnten seiner Meinung nach zu nicht tragbaren Kostensprüngen und übermäßiger Bürokratie führen.

Für einen langfristigen Erfolg müsse der Förderrahmen Planungssicherheit bieten, so der VIK. Empfohlen wird eine Mindestlaufzeit von zehn, idealerweise fünfzehn Jahren, um Investitionen in Produktion, Infrastruktur und industriellen Wandel abzusichern. In der frühen Phase sollten die Mittelsmänner zudem technologieneutral agieren, um verschiedene CO₂-arme Wasserstoffarten zu ermöglichen. Schätzungen zufolge wären für die Subventionierung von einer Million Tonnen Wasserstoff pro Jahr mehrere Milliarden Euro nötig.

Mit seinem Vorschlag will der VIK die Wasserstoffexpansion durch die Verringerung finanzieller Risiken und administrativer Hindernisse neu beleben. Staatlich gestützte Mittelsmänner und langfristige Fördergarantien bilden das Herzstück des Plans. Ohne solche Maßnahmen droht der hohe Preis für erneuerbaren Wasserstoff seine Verbreitung in der deutschen Industrie weiterhin zu bremsen.