Wie *Die Tödliche Doris* aus Berlin die Kunstwelt revolutionierten – jetzt in Bremen

Christoph Döhn
Christoph Döhn
2 Min.
Ein Collage mit verschiedenen Bildern von Frauen in verschiedenen Kostümen, jedes begleitet von Text und Dollarbeträgen.Christoph Döhn

Wie *Die Tödliche Doris* aus Berlin die Kunstwelt revolutionierten – jetzt in Bremen

Große Retrospektive des einflussreichen Künstlerkollektivs Die Tödliche Doris im Weserburg Museum Bremen eröffnet

Im Weserburg Museum in Bremen ist eine umfassende Retrospektive des prägenden Künstlerkollektivs Die Tödliche Doris zu sehen. 1980 von den Kunst- und Filmstudenten Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen in West-Berlin gegründet, begann die Gruppe als Punkband, bevor sie sich der multimedialen Experimentierfreude zuwandte. Ihr Schaffen inspiriert bis heute zeitgenössische Künstler wie Christoph Schlingensief und Pipilotti Rist.

Erste Aufmerksamkeit erlangte das Kollektiv 1981 als Punk-Act beim Festival der genialen Dilettanten in Berlin. Doch ihr Ansatz ging schnell über die Musik hinaus: Sie verbanden Film, Fotografie, Literatur und Performance zu einer provokanten Herausforderung künstlerischer Konventionen. Ein frühes Projekt, Materialien für die Nachkriegszeit, bestand darin, weggeworfene Passfotos aus U-Bahn-Stationen zu sammeln und zu einer Filmcollage umzugestalten.

Bis 1987 hatte sich Die Tödliche Doris weiter von der Punk-Provokation gelöst. Eingeladen zur documenta in Kassel, präsentierten sie anstelle eines Live-Auftritts ein konzeptuelles Gemälde. Die aktuelle Retrospektive in Bremen unterstreicht diesen interdisziplinären Geist mit einem starken Fokus auf Film. Viele ihrer Super-8-Arbeiten laufen parallel, was Kurator Radek Krolczyk als ein lebendiges, immersives "Summen" beschreibt. Das Archiv des Kollektivs, seit 2020 in der Bremer Galerie K Strich untergebracht, bildet das Gerüst der Ausstellung. Anders als andere Avantgarde-Gruppen ihrer Zeit wird Die Tödliche Doris nicht für überwältigende Intensität, sondern für leise Subversion in Erinnerung behalten. Die Schau läuft bis zum 4. Oktober 2026 und bietet einen tiefen Einblick in ihr grenzüberschreitendes Erbe.

Die Weserburg-Ausstellung präsentiert Die Tödliche Doris als Pioniere der Multimedia-Kunst, die Punk-Energie mit konzeptueller Strenge verbanden. Ihr Einfluss wirkt in späteren Künstlergenerationen nach, während die Retrospektive ihre experimentellen Methoden zugänglich hält. Die lange Laufzeit gibt Besuchern reichlich Gelegenheit, ihre Filme, Performances und unkonventionellen Archive zu erkunden.