09 June 2026, 04:15

Wie ein Frauenstreik 1973 die deutsche Arbeitswelt revolutionierte

Wenn Frauen ihre Chefs auf die Knie zwangen

Wie ein Frauenstreik 1973 die deutsche Arbeitswelt revolutionierte

Im August 1973 brach im Pierburg-Werk in Neuss ein historischer Streik aus. Eine kleine Gruppe von Arbeiterinnen, meist Migrantinnen aus verschiedenen europäischen Ländern, legte die Arbeit nieder, um gegen ungerechte Löhne zu protestieren. Ihre Forderungen entfachten bald eine Bewegung, die die Arbeitsbedingungen für Frauen im gesamten Land verändern sollte.

Die Probleme begannen, als die weiblichen Beschäftigten bei Pierburg, die unter der diskriminierenden Tarifgruppe „leichte Arbeit Gruppe 2“ eingestuft waren, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit forderten. Obwohl sie dieselben Aufgaben wie ihre männlichen Kollegen erledigten, verdienten sie deutlich weniger. Ihr Slogan „Eine Mark mehr!“ spiegelte die Wut von Hunderten Arbeiterinnen wider.

Am 13. August traten etwa 20 Frauen in den Streik. Innerhalb weniger Tage wuchs ihre Zahl auf Hunderte an. Zum ersten Mal in Deutschland solidarisierten sich männliche Arbeiter mit streikenden Frauen und weigerten sich, die Streikposten zu überqueren.

Die Proteste spitzten sich zu, als die Polizei gewaltsam eingriff. Beamte trieben die Menge auseinander, wobei ein Polizist rassistische Beleidigungen ausstieß. Dennoch kam aus dem ganzen Land Unterstützung – Künstler wie Joseph Beuys und Arbeiter aus anderen Städten sandten Solidaritätsbekundungen.

Bis Freitag, den 17. August, gaben die Arbeitgeber nach. Sie boten eine Lohnerhöhung von 53 bis 65 Pfennig an und willigten ein, die Tarifgruppe „leichte Arbeit Gruppe 2“ abzuschaffen. Der Sieg war sofort spürbar und hatte weitreichende Folgen.

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Der Pierburg-Streik brachte mehr als nur höhere Löhne. Er erzwang die Abschaffung der diskriminierenden Tarifgruppe „leichte Arbeit Gruppe 2“ – nicht nur in Neuss, sondern in ganz Deutschland. Die Aktion setzte zudem ein Zeichen für die Solidarität zwischen Männern und Frauen in Arbeitskämpfen und hinterließ einen bleibenden Eindruck auf die industriellen Beziehungen des Landes.

Quelle