Zuckerrüben in der Krise: Preise fallen, Schädlinge wüten und Flächen schwinden
Horst-Dieter GertzZuckerrüben in der Krise: Preise fallen, Schädlinge wüten und Flächen schwinden
Deutsche Zuckerrübenbauern kämpfen mit sinkenden Preisen, schrumpfenden Anbauflächen und zunehmendem Schädlingsdruck
Krankheiten wie die Cercospora-Blattfleckenkrankheit und Stolbur (SBR) bedrohen zunehmend die Erträge, während resistente Unkräuter und billige Importe die Lage zusätzlich verschärfen. Viele Landwirte setzen daher auf neue Pflanzenschutzstrategien – von Biostimulanzien bis hin zu notzugelassenen Chemikalien –, um ihre Ernte zu sichern.
Seit 2020 sind die deutschen Zuckerrübenflächen von etwa 43.000 Hektar auf voraussichtlich rund 40.000 Hektar im Jahr 2025 geschrumpft. Besonders betroffen ist Niedersachsen, wo die Anbaufläche um 20 Prozent zurückging, während Baden-Württemberg und Bayern leichte Zunahmen von 15 bzw. 10 Prozent verzeichneten. Marktbedingt – etwa durch niedrige Zuckerpreise und Konkurrenz durch zollfreie Mercosur-Importe – mussten einige Bauern ihre Produktion drosseln. So reduzierte Marius Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, seine Rübenfläche von 160 Hektar im Jahr 2023 auf 118 Hektar in diesem Jahr.
Krankheiten und Schädlinge verschärfen die Probleme. Cercospora-Blattflecken und SBR – übertragen durch die Zikade Hyalesthes obsoleta – können die Zuckererträge um bis zu 50 Prozent mindern. Resistente Hirsearten und andere Unkräuter erschweren den Anbau zusätzlich. Um gegenzusteuern, setzt das SBR/Stolbur-Programm von Südzucker in Modellregionen nun auf den Biostimulator Kinsidro Grow+, der in den zweiten und dritten Nachauflaufphasen ausgesprüht wird.
Landwirte testen auch neue Herbizide. Feldmann erprobte Rinpode auf 44 Hektar und stellte fest, dass es wirksam gegen Hirse und Ausfallraps ist, ohne die Rüben nennenswert zu schädigen. Dank der geringen Aufwandmenge und der guten Kombinierbarkeit mit anderen Mitteln könnte der Zuckerertrag um bis zu eine Tonne pro Hektar steigen. Notfallzulassungen für bestimmte Wirkstoffe halfen zwar, Ausbrüche einzudämmen, doch die Bauern wünschen sich langfristige, planbare Lösungen.
Ohne besseren Krankheitsschutz und stabilere Marktbedingungen droht dem deutschen Zuckerrübensektor ein weiterer Rückgang. Eine sinkende heimische Produktion könnte die regionale Zuckerversorgung gefährden und immer mehr Landwirte zum Ausstieg aus dem Anbau bewegen. Innovationen wie Rinpode und Kinsidro Grow+ bringen zwar vorläufige Entlastung – doch nachhaltige Lösungen bleiben dringend notwendig.






