Deutsche Unternehmen erkennen digitale Souveränität – doch Strategien fehlen
Christoph DöhnDeutsche Unternehmen erkennen digitale Souveränität – doch Strategien fehlen
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen betrachten digitale Souveränität als entscheidend – doch nur wenige verfügen über einen klaren Plan zu deren Umsetzung. Der "Digital Sovereignty Index" (DSI), entwickelt von Adesso und dem Handelsblatt Research Institute, belegt, dass 92 Prozent der Unternehmen deren Bedeutung erkennen. Dennoch hat lediglich jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) eine eigenständige Strategie zur Erreichung dieses Ziels ausgearbeitet.
Digitale Souveränität zielt auf Selbstbestimmung, Partnerschaften und Resilienz ab – nicht auf Abschottung. Unternehmen streben einen Ausgleich zwischen Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit an. Der angestrebte Reifegrad liegt im Schnitt bei 77,8 Prozent, doch der aktuelle Stand beträgt nur 65,8 Prozent.
In fast der Hälfte der Betriebe (46 Prozent) liegt die Verantwortung für digitale Souveränität bei der IT-Abteilung. Ihre Schwerpunkte sind Cloud-Dienste (72 Prozent) und Sicherheit (91 Prozent). Dennoch setzen viele Firmen nach wie vor stark auf nicht-europäische Anbieter für zentrale Technologien wie Cloud-Computing, Software und KI.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnt, dass Unternehmen die strategische Bedeutung digitaler Souveränität oft unterschätzen. Die Studie ergab zudem, dass 80 Prozent der Betriebe bereit sind, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr.
Die Ergebnisse offenbaren eine Kluft zwischen Bewusstsein und Handlung: Zwar messen die meisten Unternehmen der digitalen Souveränität einen hohen Stellenwert bei, doch konkrete Umsetzungsstrategien fehlen. Die Abhängigkeit von nicht-europäischen Anbietern bleibt trotz Investitionsbereitschaft in unabhängigere Lösungen eine zentrale Herausforderung.






