"Die Parabel des Säure": Wie sieben Künstler:innen Körpernormen auf der Bühne sprengen
Nina Pohl"Die Parabel des Säure": Wie sieben Künstler:innen Körpernormen auf der Bühne sprengen
Sieben Künstler:innen, die herkömmliche Körpernormen herausfordern, haben in Frankreich Die Parabel des Säure aufgeführt. Die fast dreistündige Show setzt sich mit den Themen Fettleibigkeit, Identität und gesellschaftliche Erwartungen auseinander. Regie führt Rébecca Chaillon, eine prägende Figur der französischen Kulturszene.
Die Aufführung beginnt damit, dass Julie Teuf Butter an das Publikum verteilt. Sie lädt die Zuschauer:innen ein, davon zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen – und setzt damit den Ton für den Abend. Die Gruppe, gekleidet in buttergelbe Roben, klettert über Butterskulpturen und stellt auf der Bühne selbst Butter her, was die Spieldauer zusätzlich dehnt.
Die Performenden teilen tief persönliche Geschichten aus ihrem Leben: Sie erzählen vom Aufwachsen in den Pariser Banlieues, von erlittenen körperlichen Misshandlungen und von Kämpfen mit Essattacken und zwanghaftem Shoppen. Ihre Erzählungen verbinden kollektives Leid, Überlebensstrategien und musikalische Darbietungen zu einem dynamischen, ungeschönten Erlebnis.
Inspiriert von Octavia Butlers Parabel der Säerin stellt die Produktion die Realität des Lebens in einem dicken Körper schonungslos dar. Die Schauspieler:innen entschuldigen sich für ihre vermeintlichen Vergehen und inszenieren Szenen aus The Biggest Loser nach, um gesellschaftliche Zwänge zu verdeutlichen. Die Auseinandersetzung mit Butter – wörtlich wie symbolisch – bildet dabei den roten Faden der Aufführung.
Die Show vermittelt eine klare Botschaft: eine Gemeinschaft, die sich ihre Identität zurückerobert. Durch Butterherstellung, Erzählungen und Performance zwingt die Gruppe das Publikum, sich mit ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen. Die lange Dauer und die immersiven Elemente hinterlassen bei den Zuschauer:innen einen bleibenden Eindruck.






