Wie "Ringel, Ringel, Reihe" wirklich entstand – und warum die Pest nichts damit zu tun hat
Christoph DöhnWie "Ringel, Ringel, Reihe" wirklich entstand – und warum die Pest nichts damit zu tun hat
„Ringel, Ringel, Reihe“ – ein Kinderreim mit harmloser Herkunft
Lange wurde der Kinderreim „Ringel, Ringel, Reihe“ mit düsteren historischen Ereignissen wie der Pest in Verbindung gebracht. Doch seine wahren Ursprünge scheinen weit weniger unheimlich und vielmehr im kindlichen Spiel verwurzelt zu sein. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass der Reim im 18. Jahrhundert in Deutschland als Sing- und Bewegungsspiel entstand – ohne direkten Bezug zu Krankheit oder Tod.
Die früheste gedruckte englische Version des Reims erschien erst 1881. Dieses späte Datum widerlegt die verbreitete Theorie, er beziehe sich auf die Große Pest von London oder den Schwarzen Tod, die Jahrhunderte zuvor wüteten. Die Verbindung zur Pest gewann erst im mittleren 20. Jahrhundert an Bedeutung – lange nach der ersten Veröffentlichung des Reims.
Einige sehen in den Textzeilen – mit Rosen, Blumensträußen und dem Hinfallen – Anspielungen auf Pestsymptome oder Beerdigungen. Doch es gibt zahlreiche Varianten des Reims, von denen nicht alle düstere Bilder enthalten. Eine plausiblere Erklärung führt ihn auf religiöse Tanzverbote im 19. Jahrhundert zurück. Kinder könnten Singspiele entwickelt haben, um diese Regeln zu umgehen, und aus einfachen, verspielten Versen eine dauerhafte Tradition gemacht haben.
Seine große Popularität erlangte der Reim, nachdem er im späten 19. Jahrhundert in Volksliedsammlungen und Kinderbüchern erschienen war. Dadurch festigte sich sein Platz in der Kultur – auch wenn sein ursprünglicher Zweck wohl eher der Unterhaltung als einer historischen Kommentierung diente.
Es gibt keine belastbaren Belege für die Pest-Theorie bei „Ringel, Ringel, Reihe“. Seine wahrscheinlichen Wurzeln liegen in einem Kinderspiel, möglicherweise als Reaktion auf Tanzverbote. Heute lebt der Reim als unbeschwerte Kindheitserinnerung weiter – seine eigentlichen Ursprünge sind weit entfernt von den düsteren Deutungen, die oft wiederholt werden.






