NRWs Sprengstoffexperten entschärfen täglich tödliche Altlasten und moderne Bomben
Horst-Dieter GertzNRWs Sprengstoffexperten entschärfen täglich tödliche Altlasten und moderne Bomben
Seit über vier Jahrzehnten bewältigt der Kampmittelräumdienst Nordrhein-Westfalen einige der gefährlichsten Sprengstoffbedrohungen Deutschlands. Das 15köpfige Team, angesiedelt beim Landeskriminalamt (LKA), bekämpft alles – von Kriegsrelikten bis zu modernen pyrotechnischen Gefahren. Mit dem Aufkommen neuer Risiken hat sich ihre Arbeit weiterentwickelt, was hochmoderne Ausrüstung und absolute Präzision erfordert.
Die LKA-Sprengstoffgruppe wurde 1981 gegründet, heute leitet Experte Andreas Otte die Einsätze. Der ausgebildete USBV-Sprengmeister sieht sich mit Bedrohungen konfrontiert, die von alten Kriegsbomben bis zu illegalen Pyrotechnikfunden reichen – etwa bei Stadionrazzien oder Polizeidurchsuchungen. Zwar sind Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten rückläufig, doch zunehmend beschlagnahmte Pyrotechnik bei Fußballspielen oder Polizeieinsätzen hält das Team in Atem.
Bevor Otte einen Sprengsatz entschärft, rüstet er sich mit einem 60.000-Euro-Schutzanzug aus. Die 40 Kilogramm schwere Ausrüstung kombiniert Kevlar mit Keramikplatten und einem verstärkten Helm – das Anlegen dauert allein 15 Minuten. Im Einsatz setzt er auf ferngesteuerte Roboter, um das Risiko für Menschen zu minimieren. Die Entschärfungsfahrzeuge des Teams sind mit modernster Technik ausgestattet und garantieren, dass alle Einsätze strengen Sicherheitsprotokollen folgen.
Neben Notfalleinsätzen führt die Einheit präventive Räumungen vor Bauprojekten durch. Allein 2024 beseitigten die Fachleute 7.266 explosive Gegenstände in der Region, darunter 1.606 Bomben und 2.496 Granaten. Bei rund 800 Einsätzen jährlich – davon 300 Bombenentschärfungen – erstreckt sich ihr Aufgabengebiet über ganz Nordrhein-Westfalen und angrenzende Bundesländer.
Otte betont, dass Nachlässigkeit die größte Gefahr darstellt. Jeder Einsatz verlangt absolute Konzentration, denn selbst kleine Fehler können tödlich enden. Die Intensität des Jobs sorgt dafür, dass kein Tag dem anderen gleicht – und hält das Team damit wachsam und anpassungsfähig.
Die LKA-Sprengstoffgruppe bleibt eine entscheidende Schutzlinie gegen alte und neue Sprengstoffgefahren. Ihre Arbeit – von der Beseitigung von Kriegsmunition bis zur Entschärfung moderner Bedrohungen – sichert die öffentliche Sicherheit in der Region. Mit fortschrittlicher Ausrüstung und strenger Ausbildung passt sich das Team kontinuierlich an die sich wandelnden Risiken an.






