06 April 2026, 18:19

Warum Pressestellen und Journalist:innen nicht mehr miteinander sprechen

Ein Mann im Anzug spricht in ein Mikrofon, wahrscheinlich zu einem Regierungsentwurf.

Warum Pressestellen und Journalist:innen nicht mehr miteinander sprechen

Journalist:innen und Pressestellen verlieren den direkten Draht zueinander

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Immer häufiger klagen Reporter:innen und Medienvertreter:innen darüber, dass der direkte Austausch mit Pressestellen schwieriger wird. Viele Journalist:innen berichten, dass Kommunikationsabteilungen Telefonate meiden und stattdessen auf schriftliche Stellungnahmen bestehen. Diese Entwicklung hat eine Debatte ausgelöst: Führt eine zunehmende Risikoaversion und der Wunsch nach Effizienz zu einer dauerhaften Veränderung der Medienbeziehungen?

Die Problematik rückte in den Fokus, als der freiberufliche Journalist John Stanley Hunter auf LinkedIn fragte: "Warum sprechen Pressesprecher:innen nicht mehr mit der Presse?" Sein Beitrag traf einen Nerv in der Branche und offenbarten eine wachsende Kluft zwischen beiden Seiten.

Jahre lang waren Telefonate die übliche Methode für schnelle Absprachen zwischen Journalist:innen und Pressestellen. Doch viele Reporter:innen berichten nun, dass solche Gespräche immer seltener werden. Thomas Holzamer, Chefredakteur von "Finance Online", stellte fest, dass Anrufe bei Pressesprecher:innen oft unbeantwortet bleiben. Peter Ehrlich, Reporter der "Süddeutschen Zeitung", ging noch einen Schritt weiter: Sein Vorschlag – Journalist:innen sollten direkten Zugang zu den Mobilnummern von Pressesprecher:innen erhalten, um Verzögerungen zu vermeiden.

Auf der anderen Seite werfen PR-Verantwortliche den Medienvertreter:innen vor, selbst schwer erreichbar zu sein. Marco Cabras, Mitgründer der Agentur "newskontor", wies darauf hin, dass Reporter:innen Anrufe häufig ignorieren. Sachar Klein, "Chief Attention Officer" bei "hypr", ergänzte, dass Journalist:innen PR-Anfragen oft mit einem knappen "Schicken Sie das einfach alles per E-Mail" abtun.

Der Trend zur schriftlichen Kommunikation scheint vor allem von Vorsicht getrieben zu sein. Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von "ECCO Düsseldorf", vermutet, dass sich eine Kultur der Risikovermeidung durchsetzt. Anette Dowideit, Chefredakteurin von "Correctiv", bestätigte, dass ihr Team aus rechtlichen Gründen schriftliche Stellungnahmen bevorzugt. Gleichzeitig beobachtete Michael Knauer, Reporter der "Automobilwoche", dass Pressesprecher:innen sich strikt an vorab abgesegnete Aussagen halten – spontane Gespräche bleiben dabei auf der Strecke.

Jan Dams, Chefredakteur der "Welt am Sonntag", brachte die Frustration auf den Punkt: Pressestellen forderten Journalist:innen zunehmend auf, Fragen per E-Mail zu schicken, statt sich auf offene Gespräche einzulassen. Das Ergebnis ist ein System, in dem beide Seiten auf formelle, verzögerte Austauschprozesse setzen – statt auf direkten Dialog.

Der Wandel von Telefonaten zu schriftlichen Stellungnahmen hat die Dynamik zwischen Journalist:innen und Pressestellen verändert. Da beide Seiten zunehmend auf Dokumentation und Kontrolle setzen, werden spontane Gespräche zur Seltenheit. Ob dieser Trend die Genauigkeit erhöht oder die Berichterstattung lediglich verlangsamt, bleibt eine offene Frage.

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